Viele Delfine und keine Orcas

Von Povoa de Varzim nach Nazaré, unserer nächsten Station, sind es 125 Seemeilen. Wir haben uns entschieden, lieber grössere Schläge zu machen und dann vor Ort länger zu bleiben, als das Marina-Hopping, was eher einem Urlaubstörn gleicht. So haben wir dann die ganze Douro / Porto Küste übersprungen und uns bei moderatem Rückenwind über 24 Stunden auf den Wellen nach Süden schaukeln lassen. Kurz vor Sonnenuntergang kriegten wir Besuch von einer ziemlich grossen Schule von Delfinen, die dann auch noch ausserordentlich lange begleitet haben. Das war natürlich ein Besuch, über den wir uns sehr gefreut haben.

Anders ist das im Moment bei den Orcas, die hier die ganze Seglergemeinschaft kräftig beschäftigen. Natürlich würde man sich im Normalfall auch freuen, wenn man Orcas sieht, aber derzeit sind mehrere Gruppen von ihnen unterwegs, die – wieso auch immer – den Schiffen die Ruderanlage abknabbern. Die Segler sind dann manöverierunfähig und müssen abgeborgen werden. In Sines, wo wir jetzt eigentlich hätten sein wollen, liegen gerade sechs Segler mit entsprechendem Schaden. Über die Motivation der Tiere gibt es natürlich viele Hypothesen. Wenn sie aber wirklich aggressiv wären, wäre der Schaden sicher grösser.

Wir mit unserem Stahlschiff haben eh nicht soviel zu befürchten. Da kann man auch als grosser Zahnwahl nichts abknabbern. Aber unseren zweiten Nachttörn von Nazaré nach Sines vorgestern haben wir dann unterbrochen und sind Nachts bei Cascais vor Anker gegangen. Auf UKW-Kanal 16 (Notruf) war zu hören, wie das MRCC Lisboa (Maritime Rescue Coordination Center) mit einem Segler vor Sines in Kontakt war, der gerade ein Zusammentreffen mit den Orcas hatte und dann abgeschleppt werden musste. Nachts wollten wir einen Kontakt mit so mächtigen Tieren dann doch nicht so gerne haben und fanden es auch ein wenig leichtsinnig, direkt in die Gegend zu segeln. Aus diesem Grund machen wir dann jetzt auch wieder entgegen der Planung kleine Schläge und versuchen nur Tags zu segeln. Wenn man dann Orcas trifft, hat man wenigstens optisch was davon.

Wer mehr über dieses spannende Phänomen erfahren möchte, findet viele Informationen auf der Website orcaiberica.org, inklusive tagesaktueller neuer Vorkommnisse.

Nazaré ist heutzutage ja vor allem bekannt durch seine hohen Wellen, ist aber ursprünglich wie so vieles in Portugal und wie man dem Namen auch unschwer entnehmen kann, ein wichtiger katholischer Pilgerort. Heute dominiert aber das Surfen den Ort. Nach einem Besuch des Leuchtturms Forte de São Miguel Arcanjo mit seiner kleinen Ausstellung zum Wellenreiten, wissen wir jetzt auch, wie die extrem grossen Wellen von Nazaré zustande kommen. Die Atlantikdünung wird vor der Küste quasi in einen nördlichen und einen südlichen Teil auseinandegeschnitten. Die nördliche Welle läuft über flachen Grund und Frequenz und Amplitude nehmen zu – also schnell aufeinanderfolgende hohe Wellen. Das ist soweit normal an jeder Küste. Der südliche Teil der Welle läuft üner einen bis direkt vor die Küste gehenden tiefen Canyon. Die Welle bleibt bei der Atlantikfrequenz. Ganz kurz vor dem Strand biegt sie nach Norden ab und vereinigt sich mit der hohen nördlichen Welle. Es werden also sozusagen Wellen über Kreuz aufeinandergestapelt.

Als wir da waren, gab es dieses Naturschauspiel nicht, aber das Bodysurfen vor Nazaré war trotzdem super gut, auch wenn man bei 17 Grad nur recht kurz im Wasser bleiben konnte.

Von Nazaré aus haben wir Lissabon mit dem Überlandbus besucht. Lissabon ist anders als Porto eher repräsentativ und grossräumiger angelegt. Die Stadt ist durch die vielen cremefarbenen Pflastersteine auch viel heller und insgesamt in einem besseren baulichen Zustand. Porto war aber irgendwie intensiver in seiner Ausstrahlung.

Lissabon hatten wir dann für uns ja auch im Prinzip abgehakt, aber nachdem wir unseren Nachttörn abgebrochen haben, liegen wir jetzt an der Einfahrt zu Lissabon im Tejo in der Marina von Oeiras und haben den absoluten Mega-Liegeplatz bekommen. Die spektakuläre Aussichtdirekt aus dem Cockpit auf die Brücke über den Tejo haben wir aber nur für kurze Zeit vor und nach Hochwasser. Dann verschwindet sie langsam wieder hinter der Kaimauer.

Wir planen noch bis Montag hier zu bleiben und wollen uns dann über Sines auf den Weg nach Lagos in die Algarve machen. Vielleicht sind die Orcas dann ja auch schon weiter nach Norden gezogen.

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