Die Bordküche

Hier kommen mit der Zeit ein paar Rezepte aus Petras Bordküche…

Jan war so nett und hat mir hier eine eigene Seite zum Austoben eingerichtet. Aber Achtung: wenn sich hier etwas ändert, dann geht das nicht in den Blog, Ihr bekommt also keine Aktualisierungsinfo. Die Bordküche darf den Segelblog nicht verwässern.

Beschaffung und Zubereitung von Nahrungsmitteln ist meine Leidenschaft. Daher hab hab ich mich schon seit wir Sutje haben mit der Versorgung beschäftigt.

Das Problem

Zunächst war ich gar nicht erfeut, weil wir keinen Gaskocher an Bord haben. Der Vorbesitzer hatte mal einen Küchenbrand und darauf hin einen Wallas Diesel Kocher eingebaut. Der hat ein Ceranfeld und das mag ich nicht so gerne. Aber ich habe mich mit ihm angefreundet und man kann damit gut arbeiten. Der Wallas durfte also bleiben und kein Gas an Bord zu haben ist sicher auch gut. Als Gasfreund muss man sich nur an die lange Anlaufzeit gewöhnen und bei Steaks muss man sich zwischen viel Oberflächenbräunung und English entscheiden.

Das viel gravierendere Thema war, dass kein Backofen an Bord war. Den gibt es auch von Wallas, aber der ist zu gross für unser Schiff, was man bei 46 Fuss kaum glauben mag. Passt aber von der Tiefe her nicht ins Schiffs-Layout. Also brauchten wir eine Alternative, denn man will sicher mal Brot backen und auch andere Dinge aus dem Ofen holen.

Die Lösung

Fündig würde ich mit Hilfe der Yacht. Dort wurde von einem polnischen Einhand Nonstop Segler berichtet, der auf seinem 27 Fuss Schiff einen Elektrobackofen dabei hatte und damit regelmäßig Kuchen gebacken hat. Ich hab gedacht, wenn der genug Strom für sowas hat, dann haben wir das auch. Nähere Info gab es in dem Artikel nicht aber ich habe die Yacht angemailt, und die haben mir sehr schnell Rückmeldung gegeben. Der Mini-Elektrobackofen heisst Remoska.

Gleich bestellt und sofort Zuhause ausprobiert. Einfach mal einen Hefekuchen nach Gefühl gebacken. Wenn das geht, geht Vieles hab ich mir gedacht.

Aprikosenkuchen ohne Rezept

Und es ging gut. Erste Lehre allerdings: wenn man das Arbeitsergebnis nicht stürzen kann, dann sollte man in den Topf mit Backpapier auskleiden, so dass man den Inhalt am Papier rausheben kann. In diesem ersten Experiment hat der Kuchen beim Stürzen ja nur ein paar Kerne verloren, das war zu verschmerzen.

Der Remoska

Der Remoska kommt ein wenig eigenwillig daher. Es ist ein Topf mit Deckel und der Deckel heizt. Am Aprikosenkuchen kann man sehr schön sehen, dass hier Oberhitze am Wirken war. Das ist die herausragende Eigenschaft von diesem Mini-Topf-Ofen, es mach ihn zum Easy-to Use Wunderding. Einfach alles rein, Deckel drauf, warten bis fertig. Lecker. Ein weiterer Vorteil: Remoska kann nur eine Temperatur. Man muss sich da also keine Gedanken machen. Bisschen Überlegen muss man nur, wenn man Sachen mit unterschiedlicher Gardauer mischt.

In den letzten zwei Jahren hab ich dann etliches Ausprobiert: Brotmischungen, viel geschmortes Gemüse mit und ohne Fleisch. Ich bin grosser Fan von dem Ding, wie man sicher unschwer merkt. Es braucht wenig Strom (400 W) und wenig Platz und ist daher ideal auf einem Schiff, wenn man denn 220 V hat. Passt sicher auch sonst in den Zeitgeist von lean, agil und downsizing und ist vielleicht auch was für Tiny House Anhänger.

Meine Anwendungsbeispiele

Über die Weihnachtszeit jetzt auch dem Schiff habe ich wieder mal ein wenig rumexperimentiert und das dann auch gleich mal dokumentiert.

Klassisch:

Kassler mit Röstkartoffeln

In dem Fall roher Kassler ca. 500 Gramm. Einfach in den Topf, bisschen Öl, Deckel drauf und anschalten. Nach 20 Minuten Kartoffeln dazu. Nach 40 Minuten fertig. Das Fleisch wird sehr schön saftig. Den Rosenkohl hatten wir dann zum Ausprobieren von konserviertem Gemüse aus dem Glas. Sehr weich, aber mit Bechamel OK. Besser ist, frischen Rosenkohl einfach zu halbieren und mit den Kartoffeln gemeinsam in den Topf geben. Das gibt super leckere Röstaromen.

Modern:

Shakshuka

Stücke von Paprika, Zwiebel, Knoblauch und ein paar getrockneteten Tomaten in den Topf. Chilipulver, Kreuzkümmel, Salz, anschalten. Nach 20 Minuten Dose Tomaten dazu. Zusammenkochen nach Belieben. Ich hab dem 10 Minuten gegeben. Kuhlen machen, Eier einsetzen, Frühlingszwiebel drauf. Topf wieder schliessen. Wenig später ist das Ganze fertig und dann kam noch Koriander. Das Gericht gelingt leichter als in einer Pfanne mit Deckel, weil das Ei durch die aktive Oberhitze gleichmässiger stockt. War sehr schön cremig das Eigelb.