Gastbeitrag – Ein Monat Bootsleben

Ende August bin ich auf São Miguel an Bord gekommen. Schon der Anflug auf diese Azoren-Insel ist außergewöhnlich schön. Mein Tipp : wenn jemand nach São Miguel fliegt, unbedingt einen Fensterplatz auf der rechten Seite wählen. Egal ob der Anflug direkt oder mit einer Schleife erfolgt, man hat in beiden Fällen einen wunderschönen Blick. Der Flughafen selbst ist angenehm klein und die Abfertigung geht schnell und unproblematisch.

Anflug
Anflug auf São Miguel

Die nächsten zwei Wochen ist Petra noch mit dabei und wir unternehmen die Inselerkundung zu Dritt. Wir liegen im Hafen von Ponta Delgada, der Hauptstadt der Insel. Ponta Delgada ist eine schöne südländische Stadt, mit Allem , was uns Dreien so gut gefällt: viel Leben im Freien; ein gut bestückter Markt mit lokalem Gemüse, Obst,  Fisch  und Fleisch; Bars, die den besten Espresso machen (mindestens so gut , wie in Italien) und für mich besonders lecker die kleinen Nata – Törtchen. Das sind kleine Blätterteig-Gebäcke mit einer Art Creme Brullé Füllung. Jan meint es sei nur gekochte Dosenmilch, schmeckt aber trotzdem super fein. Eine besondere Spezialität auf den Azoren sind die Ananas. So Gute habe ich noch nie gegessen. Darauf sind die Bewohner mit Recht besonders stolz und verkaufen sie auch besonders angerichtet an den Ständen. 

Ein weiterer besonderer Leckerbissen sind Napfschnecken (Lapas). Sie sehen aus wie eine Muschelart , leben am Felsen festgesaugt und haben ein sehr festes Fleisch. Sie müssen von Hand geerntet werden und sind deshalb auch etwas teuer. Wir haben sie mit verschiedenen Soßen zubereitet und genossen. 

Die Insel selbst ist fast wie ein großer botanischer Garten. Fast alles ist grün , die Weideflächen sind mit Hecken oder blauen Hortensien-Büschen eingefasst. Von oben sieht das wie ein mit grünen und blauen Bändern durchzogenes Alpenvorland aus. Die Wälder um die Kraterseen sind dicht bewachsen, wie man sich einen Urwald vorstellt. Und das besondere ist: die ganze Inselnatur ist sehr gepflegt. Man sieht sehr viele Landschaftsgärtner bei der Pflegearbeit. Das scheint ein wichtiger Beruf hier zu sein. Überall auf der Insel findet man super angelegte Picknick-Plätze mit Grill, Wasser und Tischen und Bänken. Manchmal sogar mit Toiletten und Duschhäuschen. Die drei großen Kraterseen in der Inselmitte sind schöne Wanderziele und es gibt an mehreren Stellen Meerwasserbadebuchten, an einer Stelle sogar mit natürlicher ‚Thermal-Heizung‘. 

Im Norden der Insel haben wir ein Therme besucht, die extrem braunes, eisenhaltiges Wasser von ca 40 Grad hat. Das ist beim Einsteigen richtig heiss und wenn man, wie ich, zu lange drin bleibt, hat man danach ganz hübsche Kreislaufprobleme. Die braune Farbe bekommt man danach auch nur schwer weg gewaschen. Meine Zehennägel sind jetzt nach mehreren Wochen noch immer rostig eingefärbt. Nach dem heissen Bad haben wir noch eine lokale Spezialität gegessen. Cozidos Das ist Fleisch und viel Gemüse zu einem Art Eintopf/Schlachtplatte gekocht. Das Kochen erfolgt in sehr großen Töpfen, die bei den heissen Quellen in Erdlöcher abgelassen werden. Die Erdwärme erledigt dann bei über 100 Grad das Schmoren. Nix für Vegetarier, aber ansonsten sehr lecker.

Thermalbecken mit eisenhaltigem 40 Grad Wasser

Die Portugiesen auf São Miguel sind super freundlich. Wir wurden beim Einkaufen mehrfach von anderen Kunden angesprochen, ob sie für uns übersetzen sollen. Und Tips, was der z.B . beste Fisch ist, gab es gleich dazu.

Im Hafen von Ponta Delgada gibt es auch ein sehr schönes Meerwasser-Schwimmbecken. Wie sehr vieles hier, ist dieses kostenlos. Nur für das Duschen zahlt man einen kleinen Obulus.

Ihr seht schon an meinem Schwärmen, dies ist meine bisherige Lieblingsinsel. Es ist einfach alles sehr schön dort, insbesondere die Flora. 

Nach Petras Abreise ging es dann, wie von Jan schon beschrieben, wegen des drohenden Sturmtiefs Danielle schnell zu der kleineren Azoren-Insel Santa Maria, wo wir etwas besser geschützt lagen.

Vor der Abfahrt habe ich für die weitere Reise zu den Kanaren erst mal einen kleinen Berg Klopse gebraten. Unterwegs ist es ja doch so schaukelig, das zumindest ich mich sehr schwer tue in der Pantry zu kochen. Bei dem Stampfen und Rollen habe ich auch viel Respekt vor den scharfen Messern in der Küche. Wenn sich die Sutje plötzlich zur Seite neigt will ich nicht gerade mit dem großen Kochmesser einen Schnitt ansetzen. Also haben wir maximal einfach gekocht, wie Rührei oder Nudeln mit Soße, Backed Beans aus der Dose…. Aber immerhin, nicht nur belegte Brote.

Apropos Kochen. Auf Sant Maria hat uns unser Boots-Nachbar Bernd von der Hullo Poro am Ankunftsabend mit einer leckereren selbst gekochten Lasagne empfangen. Das war super nach der doch anstrengenden Fahrt bei rauher See von Ponta Delgada. Am nächsten Abend haben wir uns dann revanchiert. Ich habe ein Abendessen mit eingelegten Schweinemedaillons und Süßkartoffeln zubereitet und dafür extra viel eingekauft, um den Rest als vorgekochtes Fleisch mit auf die längere Fahrt nach Teneriffa zu nehmen. Bernd und Jan (und mir auch) hat es aber so gut geschmeckt, das von dem knappen Kilo Lende fast nichts zum Mitnehmen übrig war. Na, aber alle waren zufrieden.

Gleich am nächsten Tag haben wir das etwas unsichere Wetterfenster genutzt (das Sturmtief Danielle hat noch immer gedroht) und sind Richtung Südosten nach Teneriffa losgesegelt. 

Leinen los nach Teneriffa ( © Bernd, SY Hullu Poro)

Möglichst zügig vor dem ebenfalls nach Süden ziehenden Tiefdruckwirbel wegkommen war unser Ziel. Das hat dann auch bestens funktioniert. Jans täglich aktualisierte Wetteranalysen haben perfekt gestimmt und wir sind sehr zügig die 700 Seemeilen durchgesegelt. Mit feinem Halbwind (das ist die beste Windrichtung beim Segeln) sind wir jeden Tag über 150 Meilen vorangekommen. Wir haben uns die Wache und Freiwache-Zeit in Anfangs 4 Stunden Rhythmus , die letzten beiden Nächten in 3 Stunden Rhythmus aufgeteilt. Das hat gut funktioniert, auch wenn Nachts das Aufstehen nach nur knapp drei Stunden Schlaf natürlich schwer fällt. 

Dienstag noch vor Sonnenaufgang kam Teneriffa in Sicht. Mein Sohn meinte zu dem Foto, es sehe aus wie die Pirateninsel Tortuga, die aus dem Dunkeln auftaucht. War auf jeden Fall ein tolles Gefühl wieder Land zu sehen.

Auch Teneriffa ist eine ausgesprochen schöne Insel. Das Anaga Gebirge im Norden ist toll zum Wandern. Man steigt von 600 m Höhe hinab zu leeren Badebuchten. Muß dann allerdings auch wieder den Weg zurück 600 m aufsteigen. Danach schmeckt das Abendessen.

Die Autofahrt von unserem Hafen Santa Cruz zum Höchsten Berg Spaniens, dem Teide ist traumhaft schön. Man fährt über einen Bergrücken 25 km durch lichten Pinienwald zwischen 1000 und 1500 m . Die Sonne scheint durch die Bäume und ab und an gibt es tolle Blicke zur Küste steil nach unten und am Ende dann auch auf den Teide, der mit mehr als 3800 m alles weit überragt auf der Insel.

Dann am Schluss noch 20 km durch die Hochebene des Kraterkessels auf ca. 2200 m zum Start meiner Wanderung. Ich bin auf einen Aussichtsberg , der Teil des Kraterrandes ist, bis hoch auf über 2700 m gewandert. der Kraterkessel selbst hat einen Durchmesser von mehr als 10 km und erinnert schon sehr an eine Marslandschaft. Vom Kraterrand hat man einen tollen Ausblick auf den Teide und auch auf die Nachbarinseln Gran Canaria, La Gomera und La Palma. Allerdings pfeift der Wind dort in scharfen Böen, aber trotz der 2700 m Höhe konnte ich noch im T-Shirt wandern. Jan und Petra mussten sich im Januar noch dick in ihre Anoraks einmummeln. 

Nach knapp 4 Tagen auf Teneriffa hieß es am Samstag wieder früh aufstehen und um 8.00 Ablegen mit Ziel Las Palmas Gran Canaria. Auch auf dieser 10-stündigen Fahrt hatten wir wieder kräftigen Halbwind (sprich genau 90 Grad von der Seite) und sind sehr schnell gesegelt. 

Am Schluss vor der Einfahrt nach Las Palmas wurde es noch mal etwas stressig: es hat noch etwas mehr auf gute 6 bft aufgebriest. Zusätzlich war noch eine kleine Segelregatta vor dem Hafen und große Dampfer lagen vor Anker plus die Schnellfähren von Armas und  Fred Olsen haben uns überholt, so das wir gut aufpassen mussten auf den letzten Metern. 

Wir waren ja wegen eines Termines mit dem Segelmacher nach Las Palmas gefahren und wollten ein Woche bleiben. Aber der Hafenmeister meinte, das sei nicht möglich. Tatsächlich waren noch reichlich Plätze frei und auf Nachfrage drei Tage später war es dann auch kein Problem. Die Hafenmeister sind hier schon kleine Könige und teilen die Plätze ein wenig wie eine Gnade zu. Man muss also sehr höflich und freundlich nachfragen, um ihre Gunst nicht zu verwirken. So scheint es uns jedenfalls. 

Die Stadt Las Palmas ist eine extrem geschäftige spanische Stadt. Tourismus ist nur an den beiden Strandseiten. Läuft man ein paar hundert Meter in die Stadt, ist davon nichts mehr zu spüren. Die Marina liegt in einer riesigen Hafenanlage mit großen Container-Terminals, einem zweiten privaten Yacht-Hafen und vielen unterschiedlichen Verladestationen und Fähranlegern. Sogar einen passablen Badestrand gibt es hier im Hafengebiet. Bei der Wasserqualität muss man sich da wahrscheinlich einfach das Beste denken. Ich bin jedenfalls jeden Tag zum Schwimmen, da der direkt neben unserer Marina lag. 

Nach Jans mehreren Terminen mit dem Segelmacher und anderen Handwerkern, hatte ich auch schon mehr als 30 km Stadterkundung unter den Sohlen. 

Freitag hieß es dann wieder um 5.00 aufstehen und Auslaufen mit Ziel zurück nach Santa Cruz, Teneriffa. Auch da hatten wir wieder besten Wind und sind die meiste Zeit nahe der Rumpfgeschwindigkeit der Sutje (8 kn) gesegelt. Auch bei diesem Törn hat kurz vor dem Hafen der Wind noch mal zugelegt und es wurde wieder spannend mit dem Runternehmen der Segel bei ordentlichem Wellengang und Wind kurz vor der Hafenmole. 

Ja und nun hat uns doch zumindest der Ausläufer eines der Sturmtiefs hier erreicht und es regnet seit zwei Tagen und das soll es morgen auch noch.

Ein Monat Bootsleben war für mich mal wieder super spannend. Neben dem tatsächlichen Bootsleben und Segeln zusammen mit Jan,  habe ich meine neue Lieblingsinsel São Miguel kennen gelernt. Und werde jetzt auch noch eine gute Woche Zeit haben Teneriffa weiter zu erwandern. Dann werden wir Petra und meine Frau in Gran Canaria treffen, die Sutje kommt in die Werft für einige Inspektions- und Wartungsarbeiten und wir werden Gran Canaria erkunden. 

Zurück auf den Kanaren

Gestern sind Reinhard und ich mit der Sutje wieder auf den Kanaren angekommen.

Die letzten Tage und Wochen vor der Überfahrt gehörte es wie immer zum Standardprogramm, regelmässig die Wetterlage zu analysieren und einen guten Zeitpunkt für den Absprung entweder erstmal nach Madeira oder gleich zu den Kanaren zu finden.

Etwas bedrohlich war eine lange Zeit der Hurrican Danielle, der sich viele Tage lang westlich von den Azoren festgesetzt hat. Kommt der irgendwann zu den Azoren, oder zieht er irgendwann Richtung Nord-Osten ab? Wenn er kommt, ist man sicher im Hafen oder sucht lieber vorher das Weite?

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Abschied von den Azoren

Nun geht unsere Zeit auf den Azoren so langsam zu ende. Zusammen mit Reinhard hatten wir zwei super schöne und aktive Wochen auf Sao Miguel. Die Insel ist größer und vielfältiger als die anderen Azoren und so hat man alles auf einmal: Kraterseen, Wälder, heiße Thermen, schöne Parks und tolle Badestellen. Wie immer waren wir viel in Wanderschuhen unterwegs, aber auch Baden, Kajakfahren und Tauchen. Jan konnte seinen Tauchschein, den er auf La Palma angefangen hat, fertig machen und kann nun in Zukunft das Unterwasserschiff auch selbst voll zertifiziert in Augenschein nehmen.

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Velas auf Sao Jorge – im Windschatten des Pico

Inzwischen sind wir von Terceira weitergezogen nach Sao Jorge. Auch diese Tour von nur 50 Seemeilen haben wir über Nacht gemacht, weil man dann nicht so früh aufstehen muss, um sicher noch im Hellen im unbekannten Hafen anzukommen und sich beim Segeln so auch mehr Zeit lassen kann. Wie auch unsere anderen Schläge zwischen den Inseln war es ein entspanntes Segeln bei leichten Winden und guter Sicht. Sao Jorge und die Nachbarinsel Pico waren die ganze Zeit über gut zu sehen und so hatten wir uns am Wind mit zwei Wenden langsam bis zum späten Vormittag bis in die Meerenge zwischen den beiden Inseln vorgearbeitet. Dort verließ uns der Wind und wir mussten einige Meilen bis zur Marina unter Motor laufen. Gefühlt war das wie eine Ausflugsfahrt im Tuckerboot auf einem Bergsee – ganz ungewohnt war, so viel Land in der Nähe zu haben.

Die Marina von Velas ist recht klein und hat nur wenig Liegeplätze, aber der überaus nette Hafenmeister, dessen Ruf ihm auch entsprechend weit vorauseilt, bemüht sich sehr und bringt gekonnt viele Schiffe unter. Hier liegt man auch im Päckchen. Das heißt, man muss über andere Schiffe steigen, um zum Steg zu gelangen. Das war in den Marinas von Santa Maria, Ponta Delgada und Angra nicht üblich.

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Unterwegs auf den Azoren

Wir genießen unsere Sommerfrische auf den Azoren an diesem Sommer-Sonntag mal an Bord mit Musik von Radioeins, die unter dem Motto Female Power die 100 besten Lieder von Frauen spielen. Von Hildegard Knef bis Missy Elliott war schon viel Gutes dabei. Bei den Hörern ist Aretha Franklin mit Respect der Tipp-Favorit. Mal sehen, was das Jury-Ergebnis ist.

Auf den Azoren lebt es sich sehr entspannt und angenehm. Das sind die richtigen Inseln, um so richtig tief zu entschleunigen. Santa Maria, unseren ersten Stop, haben wir umfassend bewandert und kennen so ziemlich jede Ecke. Zur Abwechslung haben wir uns dort dann auch mal intensiv der Kultur gewidmet und sind drei Tage auf das Santa Maria Blues Festival gegangen – dem größten Blues-Event in Portugal. Eine Veranstaltung, bei der vom Säugling bis zum Greis die Bewohner der Insel zusammenkommen. Viel Inseljugend ist zu sehen, obwohl die bestimmt alle eher keinen Blues hören. Die ersten drei Stunden geht es auf der Wiese in Anjos, direkt am Meer gelegen, um Essen, Trinken und Small Talk und ab halb elf gibt es dann bis zwei Uhr nachts Blues.

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Santa Maria!

Was für ein schöner Name für eine Insel, auf der man nach vier Tagen und Nächten auf See ankommt. Schon am frühen Morgen, noch 20 Seemeilen entfernt, tauchte die Insel langsam aus dem Dunst auf. Und auch, wenn man heutzutage mit GPS und Plotter beim Navigieren fast nichts mehr falsch machen kann, ist es ein schöner Anblick, wenn mitten im Ozean dann doch das angepeilte Ziel in Sicht kommt.

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