Endlich Blauwasser

Nach dem grünen Wasser der Nordsee, dem grauen Wasser der Biskaya und dem graublauen Wasser an der Küste vor Spanien und Portugal segeln wir jetzt endlich in wirklich blauem Wasser.
Dienstag nachmittag haben wir den Anker vor Culatra gelichtet, um uns auf die Fahrt nach Lanzarote zu machen. Dafür hatten wir schon Tage vorher die verschiedenen Wettermodelle beobachtet, um ein geeignetes Wetterfenster zu finden, und für einen Start am Dienstag sah es sehr gut aus.
Die Lagune von Faro haben wir kurz vor Hochwasser verlassen und dachten, das sollte ja gut reichen, um nicht zu viel Strömung in der Ausfahrt zu haben. Das war leider weit gefehlt, die Stunde hätten wir noch warten sollen, denn in der Ausfahrt stand noch sehr heftige Strömung mit vielen Strudeln und Wirbeln und das war dann schon ein ziemlich sportlicher Ritt an den Molenköpfen vorbei. Bei Culatra sollte man also tunlichst nur bei Stauwasser (wenn Ebbe in Flut übergeht und umgekehrt) ein- und auslaufen.
Kurz nach dem Auslaufen ergaben sich die ersten Zweifel an den Wettermodellen. Es gab zwar jede Menge Dünung, aber zu wenig Wind, weswegen die Fahrt langsam und sehr schaukelig losging. Gegen Abend wurde der Wind dann so schwach, dass der Motor angemacht werden musste, um überhaupt vorwärts zu kommen. Wir dachten das konnte ja heiter werden, wenn das die 550 sm bis La Graciosa/Lanzarote so bleibt. Für die Nichtsegler – ein schaukeliges Boot in der Welle ohne Winddruck ist so ziemlich der unangenehmste Zustand – überall klappern und scheppern irgendwelche Vorräte, die Segel schlagen mit lautem Knall und alles, was man nicht festhält, fällt vom Tisch. Und man selbst purzelt mehr oder weniger gut kontrolliert durch die Gegend. Auch dem Autopiloten wurde es in dieser Nacht ohne Wind zu schaukelig, er hat gestreikt und wir mussten von Hand steuern.
Glücklicherweie wurde um 2:00 am Mittwochmorgen der Wind eingeschaltet und seitdem kommen wir unter Segeln sehr gut voran. Heute im Laufe des Tages werden wir die Halbzeit der Strecke erreichen. Sehr angenehm sind die mondhellen Nächte zur Zeit.
So langsam gewöhnen wir uns auch an das Leben auf See. Am ersten Tag weiss man noch nicht so recht, was man mit sich anfangen soll, wenn es nicht gerade etwas an der Segelstellung oder in der Pantry zu tun gibt. Auch mit dem Schlafen in der ersten Nacht klappt es nicht so. Nun kommt aber langsam Routine in den Bordalltag, und die zweite Nacht war auch erholsam – zumindest für die Zeiten, in denen man keine Wache gehen musste. So waren wir heute morgen dann alle einigermassen ausgeschlafen.
Auf dem Meer sind mir mittlerweile fast völlig allein. Zu Beginn der Fahrt waren immer irgendwelche Frachter auf dem Weg nach oder von Gibraltar oder Fischer in unserer Nähe. Jetzt 100 sm vor der marokkanischen Küste sehen wir auf dem AIS (elektronisches System zur Identifikation von Schiffen) einen Frachter und ein Segelboot, aber in der Realität haben wir seit 24 Stunden nichts anderes gesehen als Wasser. Es ist sehr entspannend.
Wenn der Wind so bleibt wie vorhergesagt, werden wir wohl im Laufe des Samstags La Graciosa erreichen. Aber bei der Strecke, die noch vor uns liegt, kann es bei leichten Abweichungen im Wetterbericht auch schnell Sonntag werden. Egal, wir haben genug zu Essen an Bord. Petra hat fleissig vorgekocht.
Bilder gibt es diesmal keine. Der Bericht wird über Kurzwellenfunk in unseren Blog übertragen, wobei nur wenige Hundert Zeichen pro Minute über den Äther gehen. Da lassen sich keine Bilder übermitteln. Aber ausser Wasser, blauem Himmel und Vollmond gibt es auch keine anderen visuellen Eindrücke.

Fast wie bei uns im Wattenmeer

Die letzte Woche haben wir vor bzw. hinter Culatra bei Faro geankert. Culatra ist eine schmale, langgezogene Insel aus Sand, die gemeinsam mit anderen solchen Nehrungen die Lagune von Faro, ein ganz ruhiges, gegen den Atlantik geschütztes und vor allem sehr schönes Segel- und Ankerrevier bilden. Hier gibt es Priele, Sandbänke, Dünen und es ist fast wie auf Sylt – nur wärmer. Das Land ist flach und in regelmässigen Abständen gibt es davon mehr oder weniger. Viele auch bei uns im Watt vorkommende Vogelarten sorgen auch akustisch für heimatliche Stimmung und bei Ebbe kann man Muscheln auf den Sandbänken sammeln. An der Seeseite von Culatra lädt dann die Atlantikwelle zum Brandungsbaden.

Und Culatra ist viel entspannter als Sylt. Keine Strassen, nur schmale Plattenwege zwischen den Häusern. Jetzt in der Nachsaison kommen nur ein paar Touristen am Tag mit der Fähre und am Wochenende Ausflügler aus Faro und Olhao. Hier ist nichts überlaufen, sicher auch nicht in der Saison. Das würde die Infrastruktur einfach nicht hergeben. Dafür hat es eine ganz aktive Fischerei. Viele kleine aktiv genutzte Fischerboote liegen im Hafen und wenn man selbst mit dem Dinghy einläuft, kommt man an den Fischermännern vorbei, die dort täglich ihre Netze säubern und warten. Eine tolle Stimmung und wirklich einen Besuch wert.

Einige andere Segler haben in ihren Blogs geschrieben, dass sie hier Monate verbracht haben. Wir können es nachvollziehen.

Mittlerweile haben wir von Lanzarote eine Liegeplatzzusage der Marina Rubicon im Süden bei Playa Blanca. Wir haben dort für den ganzen November reserviert – mit Anzahlung!! Die Passage auf den Kanaren werden wir wieder zu dritt machen. Reinhard, der uns ja schon am Anfang der Reise für nehrere Wochen von Ijmuiden bis nach A Coruna begleitet hat, ist vorgestern in Faro angekommen. In Olhão haben wir ihn an Bord genommen. Der Ort hat eine sehr schöne, kleine Altstadt, in der wir vor unserer Passage auch noch ein letzes Mal richtig gut portugisisch Essen waren, so mit Bohneneintopf und Pulporeis und so.

Jetzt sind wir wieder hinter Culatra vor Anker. Jan war im Mast oben und hat das Rigg gecheckt und auch die sonstigen Vorbereitung für die Seepassage sind abgeschlossen.

Morgen wollen wir los, wenn die Wettervorhersage so bleibt. Dann werden wir Kurs auf La Graziosa setzen, eine kleine Insel vor Lanzarote und dort noch ein paar Tage ankern, bis wir in die Marina Rubicon können. Wir sind gespannt auf die Reise, die mit 550 sm (~ 1000km) unser bisher längster Schlag wird. Wir hoffen, es in 4-5 Tagen zu schaffen. Die Software zur Berechnung der besten Segel-Route ist zuversichtlich, dass wir eine zügige Fahrt haben werden.

Mehr bleibt nicht zu sagen:

Viele Delfine und keine Orcas

Von Povoa de Varzim nach Nazaré, unserer nächsten Station, sind es 125 Seemeilen. Wir haben uns entschieden, lieber grössere Schläge zu machen und dann vor Ort länger zu bleiben, als das Marina-Hopping, was eher einem Urlaubstörn gleicht. So haben wir dann die ganze Douro / Porto Küste übersprungen und uns bei moderatem Rückenwind über 24 Stunden auf den Wellen nach Süden schaukeln lassen. Kurz vor Sonnenuntergang kriegten wir Besuch von einer ziemlich grossen Schule von Delfinen, die dann auch noch ausserordentlich lange begleitet haben. Das war natürlich ein Besuch, über den wir uns sehr gefreut haben.

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Braga und der Gute Jesus

Wir geben zu, dass wir nicht die geringste Ahnung von dieser spektakulären Segenwürdigkeit hier im Norden von Portugal hatten. Und dabei sind wir auf dem Weg in den Geres Nationalpark schon zwei Mal durch Braga gefahren. Glücklicherweise haben wir dann aber bei der Recherche nach weiteren Ausflugszielen Braga und Bom Jesus do Monte gefunden und gestern geeinsam mit Ida und Samuel, die für eine Woche hier bei uns auf dem Boot zu Gast sind, besucht.

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Besuch im Douro-Tal

Bevor wir zum Thema Douro-Tal kommen, möchten wir uns bei allen bedanken, die unsere Beiträge so fleissig lesen und kommentieren. Wir freuen uns über Euer positives Feedback, das uns zum Weitermachen motiviert. Zur Aufgabenverteilung: Detailbilder und Texte kommen zu 99% von Petra, sonstige Bilder, Proofreading und IT-Infrastruktur von Jan.

Der Douro verdient sein eigenes Kapitel im Blog, nicht nur wegen seiner Bedeutung als Weinanbaugebiet, sondern weil das Flusstal einfach auch ganz besonders schön ist. Die Terassen mit den Weinreben, die sich an beiden Ufern des Flusses entlang der steilen Hänge winden, dominieren natürlich alles und geben dem ganzen Tal eine meandernde Struktur, die in ihrer extrem aufgeräumten Künstlichkeit schon fast wieder natürlich wirkt. Man kann sich an dieser Landschaft ähnlich festgucken wie an den Wellen beim Segeln und und bekommt das Gefühl, alles ist im Fluss. Aber vielleicht liegt dieser Eindruck auch nur an der Hitze, die dort war.

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