Bereits Anfang des Jahres besuchten wir – Rudolf und ich (Monika) – Jan und Petra in Bremen, um die grobe Planung für unseren Besuch auf der Sutje zu besprechen. 2026 sollte unser lang gehegter Plan, die beiden zu besuchen, endlich wahr werden. Neufundland war das Ziel, das war klar, aber wo genau die Reise losgehen wuerde, wussten wir nicht. Das entschied sich erst 2 Wochen vor unserer Abreise bei einem gemeinsamen Videocall. Treffpunkt sollte Port aux Basque sein, an der Südwestküste Neufundlands.
Nach unserer Landung in St John‘s brachte uns ein Überlandbus in ca 14 stündiger Fahrt nach Port aux Basque. Dort stand, nach dem freudigen Wiedersehen mit Jan und Petra, die ja bereits einigen Tagen im Nachbarort Ile aux Mort auf uns gewartet hatten, erst mal die Proviantierung auf dem Programm.

Nach einer Sicherheitseinweisung und dem Schwimmwestencheck ging es am nächsten Morgen los- bei strahlendem Sonnenschein und ruhiger See – was natürlich gut für uns zur Eingewöhnung war. Kurz nach dem Ablegen wartete schon die erste Überraschung auf uns-in der Ferne sahen wir die typische Atemfontäne von Walen, den Blas, und dann die Rückenflosse, gefolgt von der Schwanzflosse. Es waren mehrere Wale und sie kamen schnell näher. Beim genauen Hinsehen erkannten wir, dass es sich um Orkas handelt, die gerne in Familienverbänden („Pods“) unterwegs sind. Sie tauchten unter dem Boot durch und wieder auf – einmal direkt neben Jan, der einen ganz schönen Schreck bekam. Es war sehr beeindruckend diese schönen Tiere so nah zu sehen.
Unser erstes Ziel war Grant Bruit. Grand Bruit ist ein ehemaliges Fischerdorf an der Südküste von Neufundland. Der Name bedeutet großes Geräusch und bezieht sich auf den Wasserfall, der Mitten durch den Ort fließt.
Grand Bruit liegt in einer zauberhafter Bucht, der Ort selbst ist jedoch verlassen. Die Bewohner lebten fast ausschliesslich vom Kabeljaufang. Als die Bestände zurückgingen und Fangmoratorien eingerichtet wurden, verlor der Ort seine wirtschaftliche Grundlage. 2009 stimmten die verbliebenen Bewohner des Ortes für eine staatlich geförderte Umsiedlung und 2010 verließen die letzten Einwohner Grand Bruit und die Fährverbindung, die der einzige Versorgungweg war (es gibt keine Strasse), wurde eingestellt. Heute stehen viele der bunten Holzhäuser noch und werden gelegentlich als Ferienhäuser genutzt. Auch die ehemalige Schule gibt es noch und viele Besucher haben sich auf der Tafel verewigt. Die Sutje und wir sind dort jetzt auch zu finden.


Am nächsten Tag segelten wir weiter nach Borgeo. Gleich bei der Ausfahrt gab es eine unerwartete Begegnung – wir sahen ein Karibu, das anmutig im Wasser schwamm. Karibus, die Rentiere Nordamerikas, sind ausgezeichnete Schwimmer und können mehrere Kilometer am Stück schwimmen.

Die Fahrt ging spannend weiter. Nach kurzer Zeit erspähten wir am Horizont zwei merkwürdige Punkte, die wir nicht zuordnen konnten. Beim Näherkommen erkannten wir zwei Rückenflossen und eine kleinere Schwanzflosse. Eine kurze Recherche ergab, dass dieses Muster typisch fuer Riesenhaie ist. Sie schwimmen ganz langsam direkt unter der Wasseroberfläche und filtrieren mit weit geöffneten Maul Plankton. Im Gegensatz zu anderen Haien sind sie keine Räuber, sondern Planktonfresser. Wir waren begeistert. Riesenhaie kann man nur bei ruhiger See entdecken, bei Wellen verschwinden die Rückenflossen in der Gischt.
Am Nachmittag erreichten wir Burgeo, einst ein lebhafter Fischerort, heute eine kleines Dorf mit ca 1000 – vor allem älteren- Einwohnern. Im dortigen Sandbank Provincial Park kann man durch wunderbare Moorlandschaften und entlang toller Strände, die zu den schönsten Neufundlands zählen, wandern.
Petra und ich – wir sind ja ein eingespieltes Team seit Unizeiten- gingen dabei gerne unserer gemeinsamen Leidenschaft nach, Flora und Fauna zu erkunden. Die Flora ist hier sehr beeindruckend, vor allem die fleischfressenden Arten, wie die Schlauchpflanzen oder der Sonnentau. Zum ersten Mal haben wir die purpurnen, lederartigen Blüten der Schlauchpflanzen gesehen. Sehr schön ist auch der kanadische Hartriegel. Das raue Klima Neufundlands mit kühlen Sommern, viel Nebel und hohen Niederschlägen begünstigt die Bildung von ausgedehnten Mooren, die wichtige Kohlenstoffspeicher sind. Besonders schön waren auch die Zimt-Farne oder die pinkfarbenen Drachenmaul Orchideen.
Abends haben uns dann beim gemütlichen Abendessen am gegenüberliegenden Ufer noch zwei Otter überrascht.

Nach ein paar Tagen in Burgeo gab es ein passendes Wetterfenster und wir fuhren weiter nach Ramea. Während Rudolf schon Hochsee- Erfahrung hat, bin ich das erste Mal offshore unterwegs. Im Vorfeld hatte ich schon viel Respekt davor und bin daher mit einer ganzen Tüte Medikamente gegen Übelkeit angereist. So schlimm wurde es aber nicht und ich kam gut klar mit den üblichen Reisekaugummis, was sicher an dem erfahrenen Skipper Jan und der guten Crew lag!
Ramea ist eine kleine hübsche Insel vor der Südküste Neufundlands. Gleich bei Einfahrt begrüßte uns der Hafenmeister, und nagelte erst mal ein Schild mit der Aufschrift „nur zum Ein-und Ausladen“ zu, damit wir am Steg anlegen konnten. Die Freundlichkeit der Neufundländer ist außergewöhnlich. Sie sind sehr hilfsbereit und interessiert und kommen gerne mal zu einem Schwatz am Boot vorbei. So erfahren wir auch, dass man bei der lokalen Fischfabrik Heilbutt kaufen kann. Rudolf setzte das gleich in die Tat um und kam freudestrahlend mit einem Kilo Heilbutt zurück, den Petra mal wieder ausgezeichnet mit asiatischem Gurkensalat und leckeren Kartoffeln zubereitete.



Viel Zeit hatten wir in Ramea jedoch nicht, da ein Sturm im Anmarsch war. Dazu wollten wir uns und das Schiff in einen sicheren Hafen bringen. Wir entschieden uns daher für eine Nachttörn nach St. Pierre.
Ich muss zugeben, dass ich etwas aufgeregt war, da ich noch nie nachts gesegelt bin. Bei strahlendem Sonnenschein verließen wir am späten Nachmittag Ramea, um am nächsten Morgen gegen 9.00 Uhr am Ziel zu sein. Nach einem schönen Sonnenuntergang segelten wir nachts mit gutem Halbwind Kurs nach St Pierre. Jan, Petra und Rudolf wechselten sich mit Nachtwachen ab. Ich zog mich, nachdem es draußen zu kalt wurde, in unserer Koje im Vorschiff zurück. Das war erst mal ungewohnt, da es ziemlich schaukelt und gluckste. Aber nach einiger Zeit schaffte ich es tatsächlich etwas zu schlummern. Eine ganz neue Erfahrung!
Nach einer meist klaren Nacht erreichten wir St. Pierre und Jan und Rudolf wurden von Scharen von Puffins, Lummen, Alken und anderen Seevögeln begrüßt. Leider verpassten Petra und ich dieses morgendliche Schauspiel, da wir noch unter Deck schlummerten.

St. Pierre & Miquelon (die Nachbarinsel) sind französisches Überseegebiet und das letzte verbliebene französische Territorium in Nordamerika. Da wir von Kanada kamen, mussten wir erst einmal Einklarieren, das heisst durch die Zoll-und Grenzkontrolle, die problemlos von statten ging.
St Pierre ist eine hübsche Fischer- und Hafenstadt mit französischem Flair. Sie hat eine wechselvolle Geschichte. Insbesondere während der amerikanischen Alkohol-Prohibition in den 1920ern erlebte St Pierre eine Blütezeit. Grosse Mengen Whisky, Rum und Wein wurden legal nach St. Pierre importiert und von dort in die USA geschmuggelt. Einen Eindruck davon bekamen wir bei einem Rundgang im lokalen Musee d’Heritage in St. Pierre.
Heute gibt es in St Pierre vor allem Tourismus und etwas Fischerei. Es leben ca. 6.000 Menschen auf St. Pierre und Miquelon, gesprochen wird französisch. Auf der vorgelagerten kleinen Insel Ile aux Marins lebten im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts viele Fischerfamilien. Als der Kabeljaufang an Bedeutung verlor und die grossen Flotten den Inselstützpunkt überflüssig machten, zogen viele Bewohner nach St. Pierre oder verließen die Insel. Heute ist die Ile aux Marins ein interessantes Freilichtmuseum, das uns bei einem Rundgang das harte Leben der Fischer zur damaligen Zeit anschaulich vor Augen geführt hat.
Besonders gut hat uns auch die Nachbarinsel Miquelon gefallen, die wir mit einer der futuristischen Fähren von St Pierre aus besuchten. Miquelon besticht vor allem durch seine einzigartige Natur- eine spektakuläre Felsen- und Küstenlandschaft mit grossen Dünen. Miquelon ist über eine 12km lange Düne mit der Nachbarinsel Langlade verbunden. In dem lokalen Natur-und Umweltzentrum erfahren wir auch viele interessante Details zur Entstehung der Inseln sowie der Tier -und Pflanzenwelt. Besonders interessant sind die verschiedenen Lebensräume: Borealwald, Moore, Dünen und Meeresküste.
Mit einem Mitarbeiter des Zentrums machen wir uns dann auf den Weg zur Robbenbeobachtung im Grand Barachois, einer grossen Lagune, die durch einen schmalen Sandstreifen vom offenen Atlantik getrennt ist. Von einem Observatorium aus können wir die Robben gut beobachten ohne sie zu stören. Man kann gut sehen mit welchem Spass sie durchs Wasser schiessen oder auf der Sandbank robben. Auch die kleinen Babyrobben sind gut zu sehen.
Unsere Zeit auf der Sutje verging im Fluge. Zum Abschluss beobachteten Petra und ich dann auch noch Puffins auf der gegenüberliegenden Insel Grand Columbier, zusammen mit Scharen von weiteren beeindruckenden Seevögeln wie Tordalke, Tölpel oder Trottellummen. Es war ein wunderbares und einzigartiges Abenteuer mit an Bord der Sutje zu sein und Jan und Petra ein Stück auf ihrem Weg zu begleiten.
Zum Abschied gab es Hummer, den wir beim lokalen Fischer erstanden und den Petra wieder einmal gekonnt in Szene setzte. Es war ein in jeder Dimension einzigartiges und tolles Erlebnis- seglerisch, landschaftlich, kulinarisch und natürlich menschlich. Ein grosses Dankeschön an Jan und Petra fuer Ihre Gastfreundschaft und Herzlichkeit, die wir erfahren durften.














































