Europa liegt nun hinter uns

Gestern morgen bei Sonnenaufgang haben wir nach sechs Tagen und Nächten auf See nun Sal, die östlichste der Kapverdischen Inseln erreicht. Kaum Lichter an Land, wenig Seezeichen, von denen auch nicht alle funktionieren, tauchte die Insel erst spät im morgendlichen Dunst auf. Ein flaches, trockenes Eiland mit ein paar Vulkankegeln, gegen die Sonne ein Pastell in braun.

Zum Schluss unserer recht bequemen Reise bekamen wir an der Westküste von Sal noch einmal eine ordentlich hohe und kurze Welle über dem flacher werdenden Meeresgrund des Atlantiks, die uns gut durchgeschaukelt hat, aber kurz vor Palmeira, unserem Ziel wurde es dann ruhiger und wir konnten Segel und Spinnackerbäume gut bergen und uns auf das Ankern vorbereiten.

Die Überfahrt verlief insgesamt recht unaufgeregt. Man kommt doch schnell in einen Trott, bei dem die Tage schnell vergehen, die Nächte gefühlt länger dauern, aber insgesamt vergeht die Zeit recht zügig. Zu dritt war aber in der Nacht jeder von uns nur vier Stunden dran mit Wache und das hat schon dafür gesorgt, dass man insgesamt etwas ausgeruhter unterwegs ist und mehr Zeit zum Entspannen hat.

Wir hatten Neumond und einen schönen Sternenhimmel, viel Meeresleuchten und ab der dritten Nacht eine ganze Menge fliegender Fische, die sich morgens tot an Deck anfanden. Jan ist sogar im Cockpit einmal von einem direkt getroffen worden und war über das kalte, zappelige und glitschige Ding nicht erfreut. Den immerhin konnten wir fangen und wieder ins Wasser schmeißen. Ich hab mal versucht, die zu filetieren, aber da bleibt nichts brauchbares übrig, nachdem man Schuppen, Flossen und Gräten entfernt hat. So haben wir einen denn lieber mal als Köder für die Angel ausprobiert. Der ist weggefressen worden. Erfolgreich geangelt hat Tobi dann wenigstens am letzten Tag mit einem unserer künstlichen Köder und seine erste Goldmakrele rausgeholt.

Zum Ende unserer Reise mussten wir unsere Geschwindigkeit noch etwas reduzieren, um nicht im Dunkeln auf Sal anzukommen. Daher waren wir zeitweise mit Minimalbeseglung unterwegs, was bei den vorherrschenden Winden aber immer noch für vier bis fünf Knoten Reisegeschwindigkeit gereicht hat. Nachts anzukommen ist auf den Kapverden nicht empfehlenswert. Der Revierführer schreibt, das ca. die Hälfte der Leuchtfeuer oder Leuchttürme nicht funktionieren. Das können wir bestätigen.

Gestern nach unserer Ankunft wollte Jan uns gleich einklarieren aber der Immigration Officer musste zum Flughafen, weil dort gerade ein Flieger ankam und hat jan auf heute vertröstet. So sind wir dann gestern erstmal weiterhin mit gelber Flagge noch an Bord von Sutje geblieben und heute nach dem Frühstück dann alle drei zur Einwanderungsbehörde geschlappt.

Palmeira ist ein kleiner Ort mit großer Hafenmole und regem lokalem Fischereiverkehr. Direkt am Hafen werden Tunas und Makrelen unter einem kleinen Sonnendach ausgenommen und verkauft. Eine blutige Angelegenheit ohne Kühlung. Aber der Platz ist das Aktivitätszentrum des kleinen Ortes, ein reger Umschlag von Fisch durch Einheimische und immer mal wieder eine Schar von Touristen, die das Gewimmel auf ihrer Führung durch Palmeira mit leichtem Ekel bestaunen.

Ansonsten ist der Ort angenehm entspannt. Es gibt ein paar Bars, ein paar Minimarkets, Boat Boys, die gegen Euro das Dinghy bewachen und gerne meine Sonnenbrille gehabt hätten, viele Stray Dogs dösen im Schatten. Die Portugiesen haben hier ihre Kaffeekultur, Straßen mit Kopfsteinpflaster und ihre Sprache hinterlassen, so dass man noch ein wenig Europäisches Flair hat, aber sonst ist man doch deutlich in außerhalb von Europa angekommen.

Das merkt man vor allem an der Versorgungslage. Kein Brot, auch kein noch so pappiges Weißbrot, konnten wir in dem Ort auftreiben. Da hat jetzt mein neuer Sauerteigfreund, ein Weizensauerteig, Lievito Madre, seine große Stunde. Auch bisher war es ja schon schön, mal ein Brot zu haben, das mehrere Tage hält aber jetzt wird die Sache essentiell. Morgen wird Brot gebacken.

So liegen wir jetzt hier vor Anker, das Wasser hat 25 Grad, es ist weniger heiß als befürchtet, weil der kräftige Wind eine angenehme Kühlung bringt. Hinter uns geht eine eindrückliche Atlantikwelle durch und bricht sich gegen den Wind, Gischtfahnen hinterlassend in der Bucht. Alles sehr angenehm.

Kleine Probleme sind natürlich wie immer schon aufgetaucht. Gestern hat das Starterseil vom Außenborder gestreikt und das Ding musste auseinandergenommen werden. Nach Analyse und mit Hilfe einer Kugelschreiberfeder konnte das aber repariert werden. Tobi hat sich heute schon mal den Freediver aktiviert und das Unterwasserschiff angeschaut und geputzt und im Schiff haben wir auch schon reinegemacht. Morgen wollen wir die Insel erkunden.

4 Antworten auf „Europa liegt nun hinter uns“

  1. Liebe Seglerbande, Europa habt ihr hinter euch gelassen? Absolut !! Dein Teig wird der Star am Abendbrottisch sein 😁
    Es ist bisschen schwierig auf den Kapverden, Fleisch gibt es nicht, das mit dem Fisch hast du beschrieben- bleibt Salat und Gemüse. Salat auch schwierig wegen der Wasserqualität. Habe mich an Pommes gehalten und Gemüse. Und Tee und Bier.
    Ich wünsche Euch eine schöne Erkundung der Insel und überhaupt eine traumhafte Zeit! Ihr verpasst hier- nichts!!!! 4 Grad und Regenschauer halt. Liebe Grüße und stellt sicher dass Ihr bei Einreise einen Stempel im Pass habt. Sonst gibts bei der Ausreise wie bei mir vielleicht Probleme. A presto!! Alex

  2. Liebe Segler,
    wir haben uns erst einmal über die kapverdischen Inseln bei Wikipedia und in unserem Diercke-Atlas schlau gemacht. Jetzt sind wir gespan auf eure Inselerkundungen und Bilder. Ein bißchen reist man ja mit:).
    Bei uns ist alles grau in grau, wir warten auf den ersten Schnee. Wie jedes Jahr rennt die Zeit vor Weihnachten und diese Jahr hat es die Mitarbeiter mit der Grippe erwischt. Sonst ist aber alles ok.
    Viele liebe Grüße aus Erlangen
    Doro und Norbert

  3. Hallo ihr Drei, ja, das sieht man schon an den Fotos. Ein anderer Kulturkreis. Bin gespannt, wie euch diese Inselgruppe gefällt.
    Und die Besegelung auf dem Foto ist ja süß ! Handtuch – Segeln.
    Hat sich das neue Unterwasserschiff-Coating schon bewährt ?
    Schnell ward ihr ja.
    Alles Gute – Reinhard –

  4. Hi Ihr 3
    Prima, dass eure Tour zu den Kapverden so gut geklappt hat. Bin auch gespannt was ihr für einen Eindruck habt von den Inseln. Dein Brüderle war damals ganz begeistert von dort u den Menschen. Genießt noch ein paar Tage festes Land bevor es weitergeht!
    Beste Grüße von der momentan grauen Insel
    Sabine

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