Auf See Richtung Azoren

Seit drei Tagen sind wir jetzt auf See unterwegs von Funchal/Madeira nach Santa Maria/Azoren.

Abschied von Funchal

Bisher verlief die Reise die meiste Zeit sehr angenehm. Nach dem Start mussten wir am Ende von Madeira durch eine kleine Beschleunigungszone, die den Wind mal eben von 15 kt auf 25 kt beschleunigt hat. Nach gut einer Stunde war der Spuck aber vorbei und ein meist geruhsames Segeln hat sich eingestellt.

Mehrere Tage hatten wir eine sehr lange Atlantikdünung, die unsere Sutje alle 15 Sekunden vorsichtig um ein paar Meter angehoben und vorsichtig wieder abgesetzt hat. Es gab aber auch andere Momente, z.B. eine kurze steile Welle gegenan – fast wie auf der Nordsee – bei der das Boot immer mal wieder abrupt abgebremst wird, weil der Bug sich in eine Welle bohrt. Gestern nacht hatten wir für 1-2 Stunden völlig chaotische Wellen aus allen Richtungen, die uns kräftig durchgeschüttelt haben.

Sehr beeindruckend waren die Nächte. Bis 02:00 hatten wir immer einen sternenklaren Himmel, der wegen Neumond perfekt sichtbar war. Pech hatte jedoch Petra, weil ihre Wache um 02:00 beginnt und dann regelmässig Bewölkung und manchmal Nieselregen aufkam. Dafür hatte sie Bernds leckeren Nusskuchen als Soulfood.

Wir beide konnten aber Nacht für Nacht das Meeresleuchten der Dinoflagellaten bewundern. Wenn der Bug in die Welle eintaucht, färbt sich das Wasser hellgrün und entlang der Bordwand breitet sich dann ein funkelnder Schweif aus, der hinter dem Boot langsam verglimmt. Sehr schön, mit normalen Mitteln leider nicht zu fotografieren.

Schön war auch die Einsamkeit auf dem Meer. Einzige Begleitung auf der ganzen Reise sind die Gelbschnabeltaucher, die, immer eine Flügelspitze fast im Wasser, ihre endlosen Kreise durch die Wellentäler ziehen.

In küstennahen Regionen sieht man vielleicht mal keine anderen Schiffe, aber über UKW-Seefunk hört man dauernd Kommunikation zwischen Schiffen oder auch Warnungen und Seewetterberichte von den Küstenfunkstellen. Hier draussen auf See ist seit mehr als zwei Tagen kein Mucks aus dem UKW-Funkgerät gekommen. Auch haben wir in Realität und über AIS nicht mehr als 5 andere Schiffe gesehen. Immerhin konnten wir über unser Kurzwellenfunkgerät zu verabredeten Zeiten mit Berd von der SY Hullu Poro plaudern. Und wenn es zu einsam geworden wäre, gäbe es auch immer noch das Satellitentelefon, um mal zuhause anzurufen.

Das Satellitentelefon ist auch unsere Quelle für Wetterberichte. Die kommen nicht in gesprochener Form, sondern als Datensätze für entsprechende Programme. Wie das grundsätzlich funktioniert, ist auf unserer Webseite unter sutje.eu/wetter-routing/ beschrieben. Auf dieser Fahrt haben haben wir die Routenplanung regelmässig morgens und abends mit frischen Wetterdaten laufen lassen und hatten wirklich beeindruckend genaue Ergebnisse. So hat z.B. das Routenprogramm am Abend berechnet, dass wir am nächsten Mittag für eine Stunde in einen Schwachwindbereich laufen werden und danach Wind aus einer 30 Grad unterschiedlichen Windrichtung bekommen. Und so kam es tatsächlich.

Sehr gute Erfahrungen haben wir mit unseren Selbststeueranlagen gemacht. Wir haben zwei verschiedene Systeme an Bord. Die eine, genannt „Ray“ (der Hersteller ist Raymarine) übernimmt dabei das Steuer mithilfe eines Elektromotors und viel Elektronik. Die andere – „Peter“ (der Hersteller ist Peter Förthmann) – funktioniert rein mechanisch. Am Heck ist dazu eine Windfahne installiert, an der man über ein Drehrad den gewünschten Windeinfallwinkel einstellt und die ihre Steuerbefehle über Leinen an das Steuerrad übermittelt. Auf früheren Törns war ausschliesslich Ray im Einsatz, weil das sehr bequem ist. Man drückt auf einen Knopf, stellt den Kurs ein und Ray arbeitet. Der Nachteil ist aber der Stromverbrauch. Trotz Solarzellen und Windgenerator müssen wir bei längeren Fahrten den Stromverbrauch im Auge behalten. Daher haben wir jetzt Peter das erste Mal so richtig produktiv zum Einsatz gebracht. Der Aufbau ist etwas mühsamer, denn man muss die Steuerleinen vom Heck zum Steuerrad installieren und für jeden Kurswechsel nach hinten turnen, um den neuen Kurs einzustellen. Aber wenn man das mal gemacht hat, dann läuft Peter zuverlässig ohne Murren und ohne Stromverbrauch.

Petra und Peter bei der Arbeit

Selbstverständlich geht es uns kulinarisch auf dieser Fahrt sehr gut. Da Kochen auf See nicht so einfach ist, wenn die Arbeitsfläche immer in Bewegung ist und nichts stehenbleibt, hat Petra den Tag vor der Abreise mit Vorkochen verbracht. Zur Auswahl stehen (bzw. standen) mit Spinat und Gorgonzola gefüllte Pizzataschen, Frikadellen, Bratwürste mit Kohlgemüse und Bratkartoffeln sowie Krautsalat.

Bis Santa Maria sind es noch 70 sm. Wenn die Wettermodelle weiter so gut passen, sollten wir morgen nachmittag dort ankommen.
Nachtrag 30.06. Santa Maria voraus, der Wind hat gepasst.

3 Antworten auf „Auf See Richtung Azoren“

  1. Ihr Beiden, das hört sich ganz wunderbar an! Reinhart und Ich wünschen Euch für die letzten Seemeilen eine gute Überfahrt und freuen uns auf den nächsten Bericht von Euch!

  2. Hallo ihr Seebär:innen (super gegendert). Dann gute Anlandung und einen schönen Hafenplatz.
    Die Beschreibung der Überfahrt klingt ja prima und alles scheint gut geklappt zu haben.
    Dann erst mal eine gute Nacht zum Ausruhen und regenerieren.
    Schöne Fotos sind das . Insbesondere Jan beim Pizza futtern. Scheint zu schmecken.
    Bis bald , liebe Grüße auch von Ursel

  3. Danke auch für den Nachtrag – etwas Sorgen hatte ich mir schon gemacht. Aber man sieht ja Santa Maria auch schon auf dem Bild …
    Freue mich schon auf den nächsten Bericht!
    Bis dann & liebe Grüße
    Beate

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