Und weiter geht’s jetzt dann

Wir sind jetzt kurz vor dem Absprung auf die Kapverdischen Inseln und nachdem alle Vorbereitungen soweit erledigt sind, gibt es noch einen Bericht über die letzten Wochen. Die waren durchaus arbeitsreich und anstrengend.

Sutje hatte ja einen geplanten Werftaufenthalt in Pasito Blanco im Süden von Gran Canaria.

Das Unterwasserschiff sollte einmal komplett saniert werden und auch sonst waren allerlei Arbeiten am Schiff zu erledigen. Für die Zeit auf dem Trockenen hatten wir bereits im Vorfeld ein Appartement in Maspalomas gebucht und das war auch echt gut. Zur Not kann man ja auf dem Schiff leben, während es auf dem Trockenen liegt, aber schön ist das nie, weil man immer eine Abwasserproblematik hat und das Klettern über die Leiter mit allem Drum und Dran Tag und Nacht ist auch nicht erbaulich. So ein Schiff ist dann ganz schön hoch.

In diesem Fall war es aber wirklich nicht zumutbar, auf der Sutje zu bleiben. Zum einen wurde das Unterwasserschiff gesandstrahlt, was trotz Abdeckung eine Unmenge an Dreck produziert, in dem man nicht wirklich leben will; zum anderen hatten wir drinnen alle Bodenbretter hoch, um die Trinkwassertanks zu sanieren und die Bilge zu entrosten. Man konnte sich also nur von Spant zu Spant durch das Schiff hangeln. So war es also schön, abends von der Arbeit auf der Werft ins Hotel „nach Hause“ zu kommen, den Pool zu nutzen und unter die Dusche zu springen.

Nachdem Sutje ausgekrant, aufgepallt und gekärchert war, hab ich mich gleich daran gemacht, die Schraube und den Rope Cutter (Messer auf der Schraubenwelle, um im Wasser eingefangenes Tauwerk zu zerkleinern) mithilft von Spachtel, Schraubenzieher und Drahtbürste zu reinigen. Die Schraube ging ja noch so vom Bewuchs, weil man die auch unter Wasser ganz gut mal abschubbern und von Seepocken befreien kann, aber der Rope Cutter war vollkommen zugewachsen. Der hätte nix mehr geschnitten. Das war eine schöne Arbeit, weil man doch recht zeitnah ein befriedigendes Ergebnis bekommt. Danach war dann Abschrauben der Opferanoden und abtapen der Unterwasseröffnungen angesagt und los konnte es gehen mit dem Sandstrahlen.

Das Schiff wurde bis auf den nackten Stahl von allen je aufgebrachten Schichten befreit. Sutje verschwand in einem Wasser-Sand Nebel und Berge von Sand wurden zusammen mit Farben, Epoxy und Antifouling zu einem unerfreulichen Brei, der sich um das Schiff breit machte. Das ist nicht schön und man macht sich mit so einem Projekt auch bei den Nachbarn auf der Werft keine Freunde.

Aber es ging flott voran. Der Fachbetrieb war zuverlässig und speditiv bei der Sache und am Ende der Woche waren alle notwendigen Epoxy Schichten wieder drauf und der Copper Coat – unser neues Anti Fouling- aufgebracht. Wir hoffen, dass wir damit jetzt weniger Arbeit haben und nicht so oft auskranen müssen, um nachzustreichen. Angeblich reicht es, wenn man das unter Wasser ein wenig abschmirgelt.

Jan und ich haben derweil die Wassertanks saniert, also entrostet und Zement neu aufgebracht. Ich hab den Zementmischer gespielt. Das liegt mir, das ist wie kochen: Zement sieben, mit Wasser-Wasserglasgemisch schön glatt rühren und dann ging der frische Brei im Eimer per Aufzug auf das Schiff zu Jan, der damit die Tankinnenflächen ausgepinselt hat. Das Wasserglas kristallisiert beim Trocknen und gibt dem Ganzen eine stabile und dichte Struktur. Insgesamt ist das ein super Prinzip. Unsere Tanks waren jetzt nach drei Jahren Nutzung komplett frei von irgendwelchem Algenschleim.

Danach ging es dann weiter mit Entrosten und neu Malen in den verschiedenen Bilgensegmenten und dann konnten wenigstens die Bodenbretter wieder eingelegt und die vielen Dosen und Gläser, die im Boden des Schiffs verstaut sind wieder eingeräumt werden. Da war man dann wenigsten am Boden schon wieder in der Konsolidierungsphase.
Dafür waren dann in der Achterkabine und im Vorschiff die Deckenverkleidungen abgenommen, um achtern im Cockpit eine neue Winsch zu installieren und vorne über der Vorschiffskoje die Ankerwinsch abzubauen.

Die neue Winsch im Cockpit entstammt der Erfahrung, dass unser großes Vorsegel sich ohne Unterstützung nicht gut reffen lässt. Winsch und Podest hatte ich aus Deutschland mitgebracht. Für das Podest hatten wir schon im Sommer eine Zeichnung an Tischler Miggel Thomsen auf Sylt geschickt und dann konnte ich im September dort ein sehr schönes Werkstück abholen, was jetzt gemeinsam mit der neuen Winsch unser Cockpit ziert und uns hoffentlich die Handhabung des Yankees erleichtert. Das war ein schönes Projekt, das glatt verlief und auch im Finish sehr zufriedenstellen ist.

Das mit der Ankerwinsch verlief nicht so geschmeidig. Demontage, Neuaufbau des Untergrunds und Montage der Winsch zogen sich mit vielen Problemen über viele Tage und es wurde entsprechend geflucht. Aber es war notwendig gewesen. Unter der Winsch waren erhebliche Rostnester, die nun hoffentlich einigermaßen nachhaltig beseitigt sind.

Ansonsten haben wir dann noch vom Segelmacher die Segel checken und einige Dinge für den Sonnenschutz machen lassen, und bei einem Edelstahlschweißer Fenstergitter anfertigen lassen, die den Einstieg von außen durch die Decksluken verhindern sollen. So können wir auch in unsicheren Gegenden die Luken zur Durchlüftung offen lassen, ohne uns um ungewollte Besucher sorgen zu müssen. Zum Schluss haben wir gemeinsam mit Reinhard noch einen Tag lang den Rumpf hübsch aufpoliert und nun ist das Schiff für die Weiterreise gut gerüstet.

Wenn auch sehr arbeitsreich, verlief der Werftaufenthalt sehr positiv. Alle involvierten Handwerker waren sehr zuverlässig – alle haben ihre Zusagen eingehalten, keinem musste man hinterher rennen. Das haben wir bei den bisherigen Werftaufenthalten in Mitteleuropa so nicht erlebt.

Auch ansonsten sind wir parat. Wir haben ein neues Crew-Mitglied, Tobi, einen netten Oberfranken mit hübschen Füßen und erster Segelerfahrung, der sich eine Auszeit genommen hat und Segel Knowhow sammeln will.

Tobi ist schon vor einer Woche bei uns in die Vorschiffskoje eingezogen und hat sich gut integriert. Musikgeschmack und Weltanschauung sind soweit kompatibel. Auch sonst hat er sich beim Flugrost polieren und Herstellen von Augspleissen in geflochtenem Tauwerk schon gut nützlich gemacht.

Ich hab die letzten Tage Unmengen von Proviant rangeschleppt und verstaut. Es ist echt erstaunlich, wie viel sich da unterbringen lässt, wenn man das so nach und nach reinbastelt aber nun ist alles bis zum letzten Winkel zugestopft. Vorgekocht und eingeglast ist auch jede Menge und so sind wir dann jetzt parat. Wir warten jetzt nur noch auf das berühmte Wetterfenster, das sich am Montagmorgen öffnen soll und freuen uns auf die Reise zu den Kapverden.

Heute gibt es noch eine Runde Brändi Dog mit Bernd, der mit seiner Hullu Poro neben uns liegt und gemeinsam mit uns lossegeln wird.

7 Antworten auf „Und weiter geht’s jetzt dann“

  1. Moin ihr drei,
    Wie immer ist es schön von euch zu hören, erst recht wenn so positiv gestimmt!
    Wir wünschen euch alles Gute für die Weiterreise auf die Kapverden!
    Liebe Grüße aus Italien an Tobi & Bernd (ich verfolge nun seine Rennrad-Aktivitäten)
    Cora & Lasse

  2. Oh wie schön, wieder von euch zu lesen.
    Klaudi und ich wünschen euch gute Fahrt und „immer genügend Wasser unterm Kiel“ (O-Ton Klaudi). BrändiDog ist bei uns auch immer dabei und wird gute genutzt.
    Liebe Grüße aus dem Mittelmeer zwischen Porto Torres und Barcelona in Rebecca, Klaudi und Paul

  3. Hallo ihr zwei, es ist ja toll, was ihr alles so hinbekommt. Und Petra am Zementmischer kann ich mir sehr gut vorstellen: der Brei wird genauso perfekt wie sonst ihre Kochergebnisse. Wir wünschen Euch eine gute Überfahrt mit natürlich perfektem Segelwetter! Liebe Grüße, Angela und Thomas.

  4. Hallo ihr Drei , dann bleibt nur noch euch einen schönen Spieleabend zu wünschen. Und diesmal wird Bernd sicher auf der Gewinnerseite sein !
    Und dann gute Winde , angenehme Wellen und ich freue mich auf den ersten Bericht von den Kapverden.
    Liebe Grüße Reinhard

  5. Vielen lieben Dank für den Bericht aus Gran Canaria. Nach diesen vielen Wochen harter Arbeit wünschen wir Euch eine schöne Überfahrt zu den Kapverden. Liebe Grüße aus Hofolding

  6. Hallo Ihr 3,

    Toller Bericht – vielen Dank. Da sah man aber wirklich, was ihr alles geschafft habt: Applaus 👏 !
    Euch eine gute Reise mit perfekten Winden und gutes Ankommen. Herzliche Grüße von der Insel
    Sabine

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