Noch 100 Meilen bis Martinique

In der kommenden Nacht werden wir auf Martinique ankommen.
Erstmal wird es vor Le Marin vor Anker gehen, bis wir morgen früh in der Marina einlaufen werden. Dort wollen wir ein paar Tage bleiben, um – nach dem Ausschlafen – Wäsche zu waschen, die Sutje innen von Staub und aussen von Salzkrusten zu befreien und schon einmal die eine oder andere Reparatur- und Wartungsmassnahme anzugehen. Ausserdem freuen wir uns auf frische Croissants, die es da wegen der Zugehörigkeit von Martinique zu Frankreich eigentlich in guter Qualität geben müsste.

Der zweite Teil der Überfahrt war wie erwartet nicht mehr ganz so ruhig wie der erste. Der Wind hat am ersten Weihnachtstag deutlich zugenommen auf bis zu 35 Kt in Böen (7-8 Bft). Entsprechend hat sich eine beeindruckend hohe Welle aufgebaut von bis zu 4 Meter Höhe, die regelmässig von hinten auf uns zugelaufen kam. In den meisten Fällen hat sie aber einfach die Sutje angehoben und ist unterdurch gelaufen. Wasser kam nur sehr selten ins Cockpit, und dann nur eine kurze Dusche. Meist hats Tobi getroffen. Das kommt davon, wenn man auf See pfeift. Wo doch allgemein bekannt ist, dass pfeifende Seeleute die Meeresgötter erzürnen, denn auf See darf nur der Wind pfeifen.
Dazu kamen die Squalls. Das sind kleine überschaubare Schauerböen, die von hinten angezogen kommen. Manchmal bringen sie eine deutliche Windzunahme oder Winddreher und immer mehr oder weniger Niederschläge. Meist ist der Spuk nach max. 30 Minuten vorbei und die Sonne scheint wieder – bis zum nächsten Squall. Im Moment haben wir aber gerade einen, der schon eine ganze Stunde ergiebig Wind und Regen bringt. Tagsüber kann man sehr gut erkennen, dass da etwas auf einen zukommt, und nachts sind Squalls auch meistens auf Radar zu erkennen. So waren wir auch immer entsprechend vorbereitet und sind nie mit zu viel Segelfläche erwischt worden.
Squall am Radar – wir mittendrin
Sehr gut bewährt hat sich unsere Art der Passatbesegelung. Man braucht ja irgendwelche Segel, um tage- und wochenlang mit Wind von hinten zu segeln. Das kann man mit dem normalen Gross- und Vorsegel machen, das eine nach Steuerbord, das andere nach Backbord gesetzt (sog. Schmetterling), nur mit einem Vorsegel oder mit irgendwelchen Spezialsegeln für Vorwindkurse. Eigentlich haben wir dafür unseren Parasailor an Bord, den wir wegen der vorherrschenden hohen Windstärke aber fast nie gebrauchen konnten. Unser Standard sah dann so aus, dass wir nur unsere beiden Vorsegel als Schmetterling genutzt haben, beide zu je einer Seite ausgebaumt. Damit lief die Sutje deutlich ruhiger als mit nur einem Vorsegel. Gegenüber dem herkömmlichen Schmetterling mit Gross und Vorsegel waren die Segelflächen bei unserer Variante dann auch einfacher handhabbar.
Auch ganz gut funktioniert hat das Energiekonzept. An Bord gibt es ja jede Menge elektrische Verbraucher (Kühlschrank, Autopilot, Navigationselektronik, Seewasserentsalzung, …), die versorgt werden wollen. Mit unseren Solarzellen und dem Windgenerator kam dafür meist ausreichend Strom zusammen, nur insgesamt fünf Stunden musste der Motor laufen, um die Batterien zu laden.
Jetzt freuen wir uns unglaublich, bald endlich wieder an Land zu sein. Gefühlt wirkte die zweite Hälfte der Überfahrt deutlich länger als die erste. Das tägliche Einerlei aus Wache gehen, auf Wellen schauen, essen, schlafen darf gerne wieder angereichert werden.
Für uns haben wir die finale Bestätigung bekommen, dass wir nicht zu der Sorte Segler gehören, die am liebsten dauernd auf See sind, sondern zu denen, die ihr Boot brauchen, um schöne Gegenden anzulaufen.

7 Antworten auf „Noch 100 Meilen bis Martinique“

  1. Wow!
    Bald geschafft!!
    Wir freuen uns mega mit und für euch!!!
    Und wir drücken alle unsere Daumen für absolut weltbeste Croissants bei Ankunft – als Ausgleich für alle Strapazen, für einsteigende Klabautermann-Wellen und für drohende Muhme Rumpumpels am Horizont.
    Erholt euch und schlaft erst mal richtig, richtig gut!!
    Alles Liebe und Gute
    Euer Eutiner Sixpack

  2. Ich kann mir nicht vorstellen wie es ist so lange auf See zu sein, besonders die Nächte stelle ich mir unheimlich vor. Es ist schön zu hören, dass ihr wohlauf seid und bald wieder Land erreicht.
    Wir wünschen euch viele Croissants und einen tollen Start ins neue Jahr.
    Viele liebe Grüße aus Erlangen
    Doro und Norbert

  3. Wie schön, das ihr es gut geschafft habt. Dann erst mal gutes Ankommen, Ausschlafen und ich bin gespannt auf ein paar Fotos von Martinique.
    Weißwurst wird es wohl nicht geben, vermute ich.
    Liebe Grüße und einen guten Start ins neue Jahr. Reinhard

  4. Hallo Petra,
    Hallo Jan,
    Ich wünsche euch ein frohes neues Jahr in der Karibik.
    Ich hatte jeden Tag der Überfahrt mitverfolgt. Mega.
    Also, euch eine schöne Zeit dort.
    Schöne Grüße.
    Norbert

  5. Liebe Pee, lieber Jan,
    Schön, dass Ihr es geschafft habt, das ist ja trotz all der Technik immer noch ein Abenteuer.
    Alles Gute für 2023 vor allem viele tolle Landgänge. Jetzt genießt erst mal die Karibik und das gute Essen.
    Liebe Grüße aus Berlin, Karin

  6. Hallo Ihr Zwei,

    schön das ihr es geschafft habt, geniest die Zeit dort, es gibt viel zu entdecken… Wir sind in Gedanken bei euch. Liebe Grüße von der Maupiti Crew

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