Vor drei Tagen haben wir Las Palmas, Gran Canaria verlassen und sind nach Santa Cruz de Tenerife gesegelt. Die 50 Seemeilen sind nur ein Tagestörn, aber da schwache Winde vorausgesagt waren und wir gerne auch bei wenig Wind segeln und nicht den Motor bemühen wollten, um noch bei Tageslicht anzukommen, sind wir früh um 5 Uhr aufgestanden und haben nach einem kurzen Frühstück abgelegt.
Seit fast zwei Wochen liegen wir nun schon in der Marina von Las Palmas. Entgegen unserer Erwartung ist es hier viel ruhiger als in der Marina Rubicon auf Lanzarote. Die Marina hier liegt zwar direkt an einer viel befahrenen Autobahn, von der man aber wegen der vorherrschenden Windrichtung fast nichts hört. Und sonst ist hier kein Rambazamba wie in Rubicon, wo jeden Abend das immer gleiche Potpourri der all time favourites wie Sting, Cat Stevens und Dolly Parton, mal mehr mal weniger gut live interpretiert gespielt wurde.
Las Palmas ist einfach eine normale, quirrlige Stadt, die sehr bunt und vielfältig daherkommt. Hier gibt es sehr schöne, lange Promenaden und spannende Strassenzüge zu erkunden. Die Stadt zieht sich bunt gewürfelt von der Küste die Hügel hoch und der Tourismus ist nicht prägend. Das macht auch mal wieder Spass.
So, nun heißt es Abschied zu nehmen von Lanzarote, der nördlichsten der größeren Kanaren. Einen Monat lang haben wir diese zunächst etwas spröde und mitnichten wohlgefällige Insel intensiv erleben dürfen. Die Landschaft aus rot, braun, schwarz und beige, so karg und doch im Spiel mit Licht und Wolken immer wieder überraschend vielfältig hat uns wirklich in den Bann geschlagen. Wir sind froh, dass wir uns so viel Zeit gelassen und die Insel in den verschiedenen Ecken intensiv erwandert haben. Auf den kreisrunden Calderas, durch die ohne Weg völlig unpassierbaren Lavafelder des Nationalparks, die mächtigen Kliffs im Norden und das bizarre Weinbaugebiet – alles war schön. Am meisten erstaunt hat uns eigentlich, wieviel Landwirtschaft hier trotz der Trockenheit betrieben wird und welcher Aufwand für jede einzelne Pflanze und vor allem den Wein getrieben wird. Nicht nur Terrassen, sondern individuelle Mäuerchen für jede Pflanze.
Wir sind nun schon vor 11 Tagen, am 23.10., auf La Graciosa, der ersten kleinen Insel der Kanaren, angekommen. Aber wir brauchten dann einige Zeit, um uns physisch und psychisch von der Überfahrt zu erholen, so dass wir erst jetzt berichten.
Nachdem der zweite Tag unseres Törns von der Algarve auf die Kanaren wie von Unterwegs berichtet ja recht angenehm war, wurde es anschliessend wieder ruppiger. Die blaue Farbe des Meeres wurde wieder durch grau ersetzt, weil es meistenteils bedeckt war. Der Wind nahm zu, teils bis auf sechs Windstärken und wir haben das Grosssegel verkleinert und sind im zweiten Reff gefahren. Unangenehmer als der Wind war allerdings die Welle – sie kam in kurzen Abständen, war hoch und dazu noch über kreuz aus zwei verschiedenen Richtungen von hinten. Das hat dazu geführt, dass das Boot unablässig innerhalb kurzer Zeit von 30° auf einen Seite auf 30° auf die andere Seite geschleudert wurde. Wir wurden also zwei Tage und Nächte lang komplett durcheinandergerüttelt und alles, was auf dem Boot beweglich ist ebenso. Man stopft dann überall Handtücher und anderes Dämmmaterial rein, aber igendwas klappert und scheppert immer. Immerhin ordnet sich früher oder später abhängig von Gewicht und Oberflächenhaftung alles einem wiederkehrenden aber ohrenbetäubenden Rhythmus von klapper, klapper, rumps unter, den man wie ein Signal für „alles ist noch OK“ nutzen kann. Das hat alle sehr mitgenommen, aber es ist keiner von uns seekrank geworden!!!
Die letzte Woche haben wir vor bzw. hinter Culatra bei Faro geankert. Culatra ist eine schmale, langgezogene Insel aus Sand, die gemeinsam mit anderen solchen Nehrungen die Lagune von Faro, ein ganz ruhiges, gegen den Atlantik geschütztes und vor allem sehr schönes Segel- und Ankerrevier bilden. Hier gibt es Priele, Sandbänke, Dünen und es ist fast wie auf Sylt – nur wärmer. Das Land ist flach und in regelmässigen Abständen gibt es davon mehr oder weniger. Viele auch bei uns im Watt vorkommende Vogelarten sorgen auch akustisch für heimatliche Stimmung und bei Ebbe kann man Muscheln auf den Sandbänken sammeln. An der Seeseite von Culatra lädt dann die Atlantikwelle zum Brandungsbaden.
Wie geplant sind wir von Lissabon aus mit zwei Tagestouren bis hinter das Cabo de São Vicente an die Algarve gekomen. Wir hatten reichlich Wind und Welle von Achtern und sind die Küste nur so runtergerauscht. Stundenlang waren wir gemeinsam mit der ToSiMotu unterwegs, was uns dann gegenseitig auch mal ein paar Bilder von unseren Schiffen unter Segeln beschert hat.