Nachdem Matti wieder abgemustert hatte, haben wir am nächsten Tag in Belize ausklariert. Das verlief entgegen aller Erzählungen relativ reibungslos und so konnten wir uns am nächsten Tag aufmachen Richtung Norden. Mit einem letzten Zwischenstopp für die Nacht und einem letzten Schnorcheln am Außenriff von Belize haben wir uns gemeinsam mit drei anderen Schiffen von diesem Land verabschiedet.
Heute fing der Tag auf der Werft mal richtig gut an und diese positive Schwingung versuche ich gleich in Schreibenergie umzuwandeln. Ich bin nun schon seit 5. November wieder bei der Sutje in Guatemala. Jan ist zwei Wochen vorher rübergeflogen, um am Schiff zu arbeiten und eine Bestandsaufnahme zu machen. Dieses versetzte Anreisen kann ich nur jedem empfehlen. In den wenigen Wochen, die Jan in Deutschland war, ist natürlich wieder etwas kaputt gegangen. Irgendeins der vielen Gewitter während der Hurrican Saison ist dem Schiff zu nahe gekommen und hat Teile der Elektronik geschrottet. Wind, Tiefe und Geschwindigkeit ließen sich nicht mehr messen und entsprechende Ersatzteile wurden also benötigt. Die konnte ich in Bremen dann noch organisieren und mitbringen. Das hätte man sonst wieder in den USA bestellen müssen.
So schwierig in Panama der Umgang mit den Behörden ist, so nett und pragmatisch sind die Leute, mit denen man sonst zu tun hat. Frank-Oliver, unser Mitsegler für die nächste Etappe war inzwischen aus Miami in Linton Bay angekommen und wir hofften, dass das angepeilte, geeignete Wetterfenster für die Reise nach Norden Richtung Caymans sich auch wie vorhergesagt einstellt.
Für die geplanten fünf Seetage wollten wir natürlich möglichst kurz vor Abfahrt noch ein paar frische Lebensmittel verproviantieren. Das ist nicht so einfach in der Gegend von Linton Bay. Die Supermärkte im nächsten Ort haben nur wenig und das ist großteils welk. In der Marina selbst gibt es aber einen kleinen, gut geführten Container-Laden mit Frischware. Aber der bekommt auch nur einmal die Woche Lieferung und wir wollten natürlich nichts Altes. Kein Problem, die Lieferung kam um 9 Uhr am Abend vor unserer Abfahrt und wir durften uns dann direkt aus den Kisten des Lieferanten bedienen und konnten am nächsten Morgen gleich früh los.
Die gemeinsame Reise mit Tobi nach Minca in die Berge im Osten von Kolumbien hat uns von der Party Location Cartagena direkt zum internationalen Chill Out geführt. Im angenehm klimatisierten Überlandbus sind wir sechs Stunden durch die ziemlich vertrocknete Küstenregion von Nordkolumbien getuckert. Die Verkehrsdichte ist moderat, aber die vielen Speed Bumps sorgen trotzdem für eine recht geringe Durchschnittsgeschwindigkeit. Hier und da wird zudem kurz angehalten, um Verkäufer aufzunehmen, die ihre frisch frittierten Leckereien dann während der Fahrt im Bus anbieten. So kommt man recht entspannt und keinesfalls ausgehungert bequem von Cartegena nach Santa Marta im Norden an der Küste. Dort haben wir direkt am Busbahnhof ein Taxi nach Minca genommen.
Minca ist ein netter kleiner auf 600 Metern im Wald gelegener Ort, in dem sich in den letzten Jahren jede Menge Packpacker Infrastruktur entwickelt hat. Es gibt viele nette Hostels, AirBnB und kleine Hotels, die Restaurants decken die internationale Küche ab und abgerundet wird das Ganze durch jede Menge Cafés, Bars und Handwerkskunst. Gefühlt gibt es kein Haus in dem Ort, das nicht irgendwie an der Versorgung und Unterhaltung der Touristen beteiligt ist. Das Ganze ist organisch gewachsen und doch ausreichend strukturiert, um eine sehr angenehme Atmosphäre zu bieten.
Wir sind nun schon vor einer Woche, am 29.12.23 hier in Cartagena, Kolumbien angekommen. Die Passage von Martinique war vom Wetter her ruhig und meistenteils war das Segeln sehr angenehm. Wir sind zügig vorangekommen und waren am Ende nur sieben Nächte unterwegs und damit fast zwei Tage früher als geplant in Cartagena. Und trotz der guten Bedingungen war es auch diesmal physisch und psychisch anstrengend.
Heute abend liegen wir den letzten Tag vor Martinique vor Anker. Die letzten Tage haben wir wie gehofft in der Marina von Le Marin einen Platz bekommen und konnten noch einmal gut Wäsche waschen, Wasser und Diesel tanken und uns auch sonst für die anstehenden 1000 Seemeilen vorbereiten.