Auf nach Neufundland

Die geschützten Gewässer vom Bras d’Or auf Cape Breton im Norden von Neufundland haben wir bei gutem Wetter verlassen und uns auf den Weg nach Neufundland gemacht. Die Ausfahrt aus dem Binnengewässer ist noch einmal sehr spannend gewesen, weil dort ziemlich viel Strom steht und man die Tide gut abpassen sollte, um geschmeidig durch das enge Fahrwasser auf die offene See zu kommen. Für uns hieß das um fünf Uhr morgens los.

Highlight nach der Passage der Engstelle sind dann zwei Vogelinseln mit Papageientauchern, an denen man direkt vorbei kommt. Im frühen Sonnenlicht war das natürlich ein wunderschönes Erlebnis.

In Ingonisch, an der Nordspitze von Cape Breton haben wir dann noch zwei Tage geankert und Starkwind abgewettert.

Danach ging es auf die 80 Meilen nach Neufundland. Wir hatten uns entschieden, die Passage bei Tag zu machen. Das hieß wieder um fünf Uhr los, direkt in den Sonnenaufgang rein. Es wurde ein super schöner Segeltag – Champagnersegeln – wie Jan so gerne sagt. Sonne, gemäßigter Wind aus guter Richtung und passende See.

Unser Ziel auf Neufundland war Ile aux Morts, ein kleiner Ort mit einer soliden Pier, an der wir gut und sicher ein paar Tage liegen konnten. Wir wollten dort auf unsere Freunde Monika und Rudolf warten, die bereits auf Anreise aus der Schweiz über Toronto ud St- John’s unterwegs waren, aber erst in drei Tagen eintreffen sollten. Allein die Fahrt von St. Johns zu uns in den Südwesten von Neufundland hat 14 Stunden gedauert!

Als wir in Ile aux Morts ankamen, war bereits ein Empfangskommitee auf der Pier. Unsere Ankunft in der Bucht war nicht unbemerkt geblieben und mehrere Pickups hatten sich auf der Pier eingefunden. Unsere Leinen wurden entgegengenommen, für 20 kanadische Dollar durften wir eine Woche bleiben und ein nettes Schwätzchen wurde auch gehalten. Das Neufundländisch ist nicht gerade einfach zu verstehen, aber die wesentliche Information, dass die logistische Infrastruktur im Ort sich auf einen Pub mit unklaren Öffnungszeiten beschränkt, haben wir mitgenommen. Es war alles sehr, sehr nett und wir fühlten uns sehr willkommen.

Neufundland ist ganz anders als Nova Scotia. Granit und Moor prägen das Bild. Ab und zu in geschützter Lage ein kleines Tannenwäldchen. Durch diese wunderschöne karge Landschaft führt direkt vom Ort aus der Harvey Trail. Der Weg bietet tolle Weitblicke über die Küste und entzückende Nahblicke auf die Pflanzenwelt aus Heide, Sonnentau, Kannenpflanzen und Orchideen.

Dazu gab es Informationstafeln über Ann Harvey und ihren Vater George, die 1828 fast 200 schiffbrüchige Menschen von einem Felsen vor der Küste retteten. Mithilfe ihres Neufundland Hunds (Hairy Man) wurde eine Rettungsleine zu den Schiffbrüchigen gebracht, an der sie anschließend zwei Tage lang die Überlebenden einzeln vom Felsen an Land brachten. Obwohl sie selber kaum genug zu essen hatten, haben sie alle Schiffbrüchigen für mehrere Tage verpflegt und versorgt, bis Hilfe von Außen kam. Ihre gesamten Wintervorräte haben sie dafür hergegeben. Als aber Hilfe von Außen kam, hat man dafür gesorgt, dass sie neuen Proviant bekamen. Die Geschichte ihrer Heldentat verbreitete sich und der Londoner Lloyd hat ihnen später auch eine großzügige finanzielle Anerkennung verliehen. Heute ist ein Schiff der kanadischen Küstenwache nach Ann Harvey benannt – eine schöne Geschichte.

Die Tage in Ile aux Morts waren beschaulich. Die Neufundländer sind extrem nett. Auf der Pier war bei gutem Wetter immer ein bisschen was los. Wir bekamen einen schönen Kabeljau direkt von der Angel in die Hand gedrückt und Elchfleisch wurde uns auch noch geschenkt. So ließ es sich gut aushalten, bis Monika und Rudolf nach langer Anreise zu uns an Bord kamen.

Eine Antwort auf „Auf nach Neufundland“

  1. Schöner Bericht, tolle Fotos! Ich wünsche Euch weitere super Wandertoren, Segeltörns und warmherzige Begegnungen. Liebe Grüße von der Burg Stargard, Karin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert