Wetterkapriolen

Als Laie denkt man ja immer, auf den Kanaren ist ein immer gleiches schönes und sonniges Wetter, aber gerade in den letzten Wochen haben wir hier ganz intensive Wetterlagen und Wetterwechsel erlebt. Über mehrere Tage hatten wir einen Südostwind, Calima, der jede Mange Saharastaub mit sich bringt. Die Luft ist dann sehr trocken und alles ist milchig trüb vom feinen gelben Saharasand, der sich überall ablagert. Auch unser Schiff war aussen wie innen total zugestaubt. Da wir aber eh einen Termin in der Werft zum Auskranen hatten, haben wir es so gelassen, denn vor einem Werftaufenthalt braucht man ein Schiff nicht sauber zu machen. Auf der Werft wird es eh dreckig.

Sonne hinter Staub

Pünktlich zum Werftaufenthalt hat sich das Wetter dann schlagartig geändert und statt trockenem Calima hatten wir drei Tage mit intensiven Regengüssen, so dass die halbe Werft unter Wasser stand. Das war insofern doof, weil wir neues Antifouling aufbringen wollten – das ist eine Farbschicht am Unterwasserschiff, die verhindern soll, dass sich Seepocken und andere Tiere und Pflanzen am Schiff niederlassen. Solche Arbeiten gehen natürlich besser, wenn es trocken ist. Mithilfe von Planen konnten wir aber soweit alles abdecken, dass die Farbe getrocknet ist, und wir konnten nach zwei Nächten auf dem Trockenen wieder ins Wasser.

Es war ganz gut, dass wir schon jetzt, nach nur sieben Monaten im Wasser, diese Arbeiten gemacht haben. Wir hatten schon eine ganze Menge Kalkröhrenwürmer am Rumpf und die Sutje ist jetzt wieder einen halben Knoten schneller unterwegs. Zukünftig müssen wir wohl häufiger mal das Unterwasserschiff mit einer harten Bürste im Wasser bearbeiten, um die Dinger loszuwerden. Das Hafenwasser der letzten Monate war nur nicht richtig einladend, um da baden zu gehen.

Außer bei den Kalkröhrenwürmern hat das Antifouling funktioniert

Interessant war auch, dass nach nur sieben Monaten die Opferanoden (Stücke von niederwertigem Metall, die am Rumpf angebracht werden, damit das Schiff nicht durch Elektrolyse angegriffen wird) schon ziemlich mitgenommen waren. Die muss man doch öfter austauschen als wir gedacht hatten. Jetzt haben wir neue Anoden und auch gleich noch welche als Ersatz.

Zurück in der Marina von Santa Cruz, haben wir das Schiff schön geputzt und dann unserere Besucherin, Sabine, vom Flughafen abgeholt. Ein Bummel durch Santa Cruz mit einem Besuch auf dem wirklich sehenswerten Mercado de Nuestra Senora de Africa und eine kleine Runde zum Warmwandern hier im Norden im Anaga-Gebirge standen am ersten Tag auf dem Programm.


Gestern wollten wir dann auf den Teide. Wir hatten schon Anfang Dezember eine der wenigen pro Tag zur Verfügung stehenden Genehmigungen für die Gipfelbesteigung für uns drei organisiert. Auch die Seilbahn war für 9 Uhr gebucht. Es gab allerdings schon Gerüchte, dass die Bahn wegen schlechtem Wetter nicht fährt, aber Genaues war nicht zu erfahren. Also sind wir in aller Frühe los. Schon die Anfahrt war toll, denn nicht nur der Teide war verschneit.

Verschneiter Teide bei Sonnenaufgang

Das Wetter, das uns in der Werft so viel Kummer und Zusatzarbeit bereitet hatte, hat hier oben für eine Winterlandschaft gesorgt. Schon früh um 8 Uhr waren die Einheimischen mit allem was rutscht, von der Plastikfolie bis zum Bodyboard, in den Lavahügeln unterwegs zum Rodeln, wobei 10 Meter Bahnlänge schon üppig waren.

Auf den Teide konnten wir leider nicht, oben waren sämtliche Wege gesperrt und auch die Seilbahn sollte erst später am Tag in Betrieb gehen. Ein netter Seilbahnmitarbeiter hat uns dann aber den Tip für eine tolle Wanderung auf den 2700 Meter hohen Guajara gegeben. Von dort hatten wir einen super Blick auf den Teide und selbst dort waren teils vereiste Passagen. Wir konnten uns gut vorstellen, dass es 1000 Meter weiter oben noch einges widriger gewesen wäre.

Erschöpft, aber glücklich
Ziemlich kalt auf 2700 m

Leider gab es nicht viel Sicht nach unten, da mitterweile schon wieder Calima ist. Der Staub hat es aber nicht bis auf unsere Höhe geschafft.

Gipfel von Gran Canaria über dem Staubmeer


Die Rückfahrt war auch noch interessant. Mittlerweile war gefühlt die halbe Bevölkerung von Teneriffa dort oben zum Schneeballwerfen, Schneemannbauen und Selfiemachen unterwegs. Die für den Tourismus ja gut ausgebaute Infrastruktur ist unter diesem Andrang dann in die Knie gegangen und wir standen ziemlich lange im Stau, bis wir dann wieder auf einer Stasse runterwärts unterwegs waren. Aber das war ein tolles Erlebnis und ein sehr schöner Tag.

Für Schneebälle reicht es

5 Antworten auf „Wetterkapriolen“

  1. Da habt Ihr wieder viel erlebt, sehr spannend.
    Und super, auf dem Guajara war ich vor Jahren auch schon mal, der lohnt sich als „Ersatz“ wirklich
    VG
    Karin

  2. Lieben Dank für diesen tollen Bericht!

    Viele Grüße auch an Sabine. Euch allen eine schöne Zeit zusammen.

    LG
    Beate

  3. Der Teide ist toll. Ich war schon oft auf dem Plateau mit dem Rad, voll ist es da bei schönem Wetter eigentlich immer. Und mit der Seilbahn war ich auch noch nie ganz oben, immer voll. Aber ich bin ein großer Fan dieser Erhebung, so hoch auf dieser Insel…
    Das Wetter wird wieder besser, die Calima ist echt nicht schön. Bin gespannt auf die nächsten Berichte.

  4. Hallo Ihr Drei, was für tolle Eindrücke und ein immer wieder locker flockig zu lesender Bericht von Dir liebe Petra! Ich finds toll, dass Ihr so viel Abwechslung erleben dürft. Weiterhin viel Spaß und Euch eine gute Zeit 🙂
    Liebe Grüße, Alex & Reinhart
    PS. so und nun freue ich mich auf meine Matheaufgabe …

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