Cherry picking auf dem Rückweg

Auf unserer Fahrt Richtung Sommerlager haben wir nun relativ zügig die uns schon bekannten Inseln Dominica, Martinique und Saint Lucia abgesegelt. Die Passagen zwischen den Inseln sind so 20 bis 30 Meilen offene See und dann segelt oder motort man in Lee der Inseln immer noch eine Strecke bis zum angepeilten Liegeplatz. Die Etappen lassen sich also alle gut als Tagestörn gestalten. Wir brechen trotzdem immer früh um sechs Uhr auf, damit wir uns Zeit lassen können, auch bei weniger Wind die Strecke auszusegeln und trotzdem noch bei Licht anzukommen. Das hat auf allen Überfahrten auch gut funktioniert.

Zwischen den Inseln hatten wir immer sehr guten Wind mit Einfallwinkel zwischen 60 und 90 Grad. Wenn man die Dynamik mit den Kapeffekten, die für etwas ruppigere See sorgen, dann noch gut verinnerlicht hat, kommt man sehr entspannt voran. Nur einmal, auf dem Weg von Fort de France nach Le Marin haben wir uns mächtig verschätzt und versucht gegen den Strom mit langen Schlägen aufzukreuzen. Dabei sind wir fast bis zur Seegrenze von Saint Lucia runtergefahren. Nach 3 Stunden, in denen wir uns dem Ziel überhaupt nicht genähert haben, haben wir das Vorhaben dann aufgegeben und sind die 12 Seemeilen unter Motor gefahren. Im Nachgang hätte man den Versuch viel früher abbrechen sollen und gleich küstennah Richtung Le Marin motoren. Aber so lernt man dazu und das Segeln an sich war nicht unkomfortabel.

Mount Pelee auf Martinique mal ohne Mütze

Die Rückreise von Guadeloupe führte uns zunächst wieder nach Dominica. Obwohl es uns auf der Hintour im Norden der Insel bei Portsmouth sehr gut gefallen hatte, haben wir dieses Mal dort keinen Stop eingelegt. Zu Bekanntem zurückzukehren ist zwar nett, aber wir wollten lieber noch einmal Neues auf der Insel entdecken. So sind wir gleich bis Roseau und haben eine Mooring bei SeaCat genommen. SeaCat, das ist Octavius und ein paar Helfer und Assoziierte. Die haben etwa 20 Moorings, die unlängst abgetaucht worden sind, nachdem jemand mit einer Mooring auf Drift gagangen ist. Also befinden sich derzeit wohl alle gerade in gutem Zustand. Neben den Moorings besteht das Geschäft aus geführten Touren.

Wir haben mit SeaCat den Freshwaterlake, die Titus Gorge und die Trafalgar Falls gemacht. Alles wird in der Regel zu einer Tagestour gebündelt. Es war super.
Wir hatten das Glück, die Tour mit Octavius selbst zu machen. Das wurde beim Arrangieren am Vortag vom Boatboy schon fast ehrfürchtig betont und am nächsten Tag wurde klar wieso. Octavius ist eine ganz aussergewöhnliche Persönlichkeit. Mit großem Engagement überträgt er Energie, Wissen und Lebensfreude auf seine Gäste. Kaum ist man losgefahren, kommt schon der erste Stopp bei einem Kokosnusshändler. Natürlich sucht Octavius die Nüsse selber aus und schlägt sie auch auf. Und im Gegensatz zu sonstigen Touren, waren die Kokosnüsse und auch die später folgenden Mangos inbegriffen, was am Ende nicht viel ausmacht, aber einfach schön ist.

Bis zum Freshwaterlake hatten wir dann noch etliche weitere Stopps, bei denen Octavius aus dem Bus sprang, in Gärten Bäume hochkletterte, im Dickicht des Regenwaldes verschwand oder mit Leuten etwas aushandelte. Wir haben Guaven, Kakao, Kaffee, Mangos, Bayleaves, Zimt, Muskat, Zitronengras und sicher noch ein paar andere Dinge kennengelernt und probiert.

Freshwaterlake ist ein kleiner Stausee mit einem gut zurechtgemachten aber steilen und glitschigem Rundweg, der ca. 40 Minuten dauert und ein paar schöne Ausblicke liefert.

In der Titus Gorge waren wir bereits im Februar bei unserer Wanderung zum Boiling Lake. Damals war aber so viel Wasser in der Schlucht, dass man gar nicht bis zum Ende durchkam. Ein zweiter Besuch mit der Ausflugsgruppe was uns also auch willkommen und wir konnten die Wasserfalldusche erklimmen.

Am spektakulärsten waren aber die Trafalgar Falls. Hier muss man schon ein wenig kraxeln, denn es gibt keinen zurechtgemachten Zugangsweg. Octavius hat die Gruppe aber mit viel Aufmerksamkeit und sicher über die teils recht glitschigen Felsen geführt.

Octavius

Das Baden in den Becken, in denen sich heisses und kaltes Wasser mischen ist fantastisch. Wenn man es bis zum letzten Becken schafft, wird man mit einer tollen Wasserfalldusche belohnt.

Der nächste Tag in Rouseau war etwas beschaulicher. Wir haben den ganzen Tag am Fährterminal verbracht und auf den Immigration Officer gewartet, der sich wegen der Osterfeiertage erst um 16:00 hat blicken lassen. Aber immerhin konnten wir überhaupt einklarieren.

Nach Dominica kam wieder Martinique, wo wir uns für die letzten Wochen bis zur Sommerpause nochmal mit Käse und Getränken versorgt haben.

Dann ging es weiter nach Saint Lucia. Den Norden mit Rodney Bay und Marigot Bay kannten wir bereits von unserem Besuch im Januar. Also ging es dieses Mal gleich weiter nach Soufriere. Soufriere hat nicht den besten Ruf. Es kommt immer mal wieder zu kleinkriminellen Vorfällen und die Boatboys sollen teils recht aufdringlich sein. Wir haben vorab ein Arrangement mit Jean Claude getroffen. Die Information, wen man da ansprechen soll, bekommt man zum Beispiel auf Navily, einer App mit Infos zu Häfen und Ankerplätzen. Das hat super geklappt. Man verweist dann einfach auf das Arrangement, wenn andere Boatboys auf einen zukommen.
Wir lagen ein wenig südlich von Soufriere in der Pitons Bay am Sugar Beach zwischen den beiden Pitons, den Wahrzeichen von Saint Lucia. Ein sehr eindrucksvoller Ankerplatz, an dem wir uns auch sehr sicher gefühlt haben.

Bei Jean Claude hatten wir Full Service für den nächsten Tag für unsere Wanderung auf den Gross Piton gebucht: Wassertaxi zur Immigration und Taxi zum Wanderweg. Die Wanderung auf den Piton kostet 50 US Dollar pro Person. Dafür bekommt man auch einen Guide. Das wäre nicht notwendig, denn der Weg ist extrem gut ausgebeut und gewartet, aber es ist nett und es gibt ein bisschen Information. Allerdings ist die Wanderung sehr anstrengend und steil, nicht exponiert, aber senkrecht hoch, was unglaublich viel Kraft kostet.

Gestern sind wir nun auf Saint Vincent und den Grenadines angekommen, der letzten Station vor Grenada. Auch hier haben wir schon einklariert. Hier ist ja eine Insel nicht immer nur eine neue Insel, sondern in den meisten Fällen auch ein eigener Staat. Wir sammeln sozusagen Kleinststaaten in unseren Pässen. St. Kitts gehört mit ca. 50.000 Einwohnern zu den 12 kleinsten Staaten der Welt und Dominica ist mit ca. 70.000 Einwohnern auch nicht viel grösser. Es gibt aber recht intensive Kooperation zwischen den Staaten, was Aussenpolitik, Bildung, Tourismus und Entwicklung angeht. Von Antigua bis Grenada haben sich die Inseln zur Organisation of Eastern Caribbean States (OECS) zusammengetan und haben eine gemeinsame Währung und einen obersten Gerichtshof. Das macht sicher Sinn und ermöglicht ihnen auch international, ihre Interessen besser zu vertreten. Für uns als Reisende ist natürlich die einheitliche Währung und eine gemeinsam genutzte Software für das Ein- und Ausklarieren eine gute Sache.

Die Entwicklung der Inseln ist aber trotz der Kooperation recht unterschiedlich und teils ist die Armut recht gross. Auch haben sie alle ihr eigenes Trauma. Auf Barbuda war es Hurrican Irma, auf Dominica war es Maria. Jede Insel hat eine eigene Zeitrechnung mit einem davor und danach. Eines haben sie aber alle gemein: es wird überall betont, welch tolle Unterstützung die Chinesen bei der Entwicklung leisten. Oft sind es Krankenhäuser oder logistische Zentren, die von ihnen aufgebaut werden. Das ist schon recht interessante Geopolitik im „Vorgarten“ der USA.

2 Antworten auf „Cherry picking auf dem Rückweg“

  1. Herzlichen Dank für den schönen Bericht! Hut ab, dass Ihr da hoch seid auf den spitzen Berg. Ich dachte nur so bei mir, dass Ihr schön die ganzen Flaggen im Benutzung habt, sehr gut. Weiterhin eine schöne Reise für Euch, liebe Grüße

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