Nebliges Nova Scotia

Einen Monat lang bin ich nun schon wieder auf dem Schiff. Das Eingewöhnen fällt diesmal nicht so leicht. Am Anfang stand natürlich erstmal wieder die Verproviantierung vornan. Den Winter über war wegen der Frostgefahr nichts mit wässrigem Inhalt auf der Sutje geblieben. So ging´s in die Supermärkte und an das Befüllen von Schapps.

Dann, nach ein paar Tagen ging es mit kurzen Strecken los von Ankerplatz zu Ankerplatz Richtung Nordosten entlang der Küste von Nova Scotia. Es war oft kalt und neblig, der Wind oft schwach, immer unbeständig, die See aber oft schwellig, so dass man kräftig durchgeschüttelt wurde. So hielt sich die Motivation für längere Passagen in Grenzen. Gerne wären wir zügig über Prince Edward Island und die Magdalenen Insel an die Westküste von Neufundland gesegelt. Aber die Bedingungen dafür waren uns nicht gut genug. So sind wir jetzt im angenehm geschützten Binnenmeer Bras d’Or von Cape Breton.

Die Küste von Nova Scotia hat viele einsame Fjorde und vorgelagerte Inseln, meist mit dichtem, fast undurchdringlichem Küstenwald bewachsen. Auffällig viele ältere abgestorbene Bäume prägen das Bild. Beim Recherchieren erfährt man, dass eine Kombination aus Versalzung, Hitze und Schädlingen Ursache ist. Der Wald wirkt trotzdem sehr vital mit vielen jungen Bäumen und auch sonst viel Unterwuchs.

Hier und da gibt es kurze Wege, auf denen man die Gegend erkunden und in diese dichte Wildnis eintauchen kann. Manchmal bekommt man aber auch gar nicht mit, wie schön es um einen herum ist. Im dichten nassen Nebel hängt man vor Anker und die Vorstellung, die man im Dauergrau von seiner Umwelt entwickelt, basiert einzig auf der Seekarte. Segler, die später an einem sonnigen Tag dort waren, berichten von toller Umgebung. Vielleicht sehen wir das dann ja nochmal mit eigenen Augen, wenn wir im Spätsommer die Strecke zurücksegeln.

An Wildtieren sieht man auch erstaunlich wenig. Aber Weisskopfseeadler schauen am Abend gerne am Ankerplatz vorbei und boebachten ihr Revier von hoher Warte aus.

Bei Sonnenuntergang bereitet die Natur dazu dann oft ein noch intensives Farbenspiel, wenn die Sonne denn durchkommt.

Die Besiedlung wird dünner, die Orte karger und rein von der Fischerei geprägt. Aktuell endet die Fangsaison für Hummer und so werden die Hummerkörbe mit ihren Schwimmbojen, die bei Seglern wegen der Verhedderungsgefahr gefürchtet sind, gerade eingebracht. Aber das Ende der Fangsaison wandert auf unserem Weg mit uns in Richtung Nordosten und so haben wir es immer wieder noch mit Feldern von Bojen zu tun, die aufmerksam umschifft werden müssen. Bei Nebel schwierig. Dafür haben wir uns dann als Belohung noch mal frische Hummer direkt von der Kooperative in Canso besorgt und uns schmecken lassen.

So haben wir uns mitterweile aber in vielen kleinen Tagestörns nach Baddeck auf dem Bras d’Or vorgearbeitet und liegen an diesem Binnenmeer in einer wesentlich lieblicheren Landschaft als an den äusseren Küsten. Es gibt sattgrüne Laubbäume und das zivilisierte Dauerbrummen von Rasenmähern. Auch schön, so eine Gartenatmosphäre nach so viel karger, undurchdringlicher Landschaft. Hier spielt sich auch gleich wieder viel mehr Freizeit auf dem Wasser ab. Dinghys zu Mooringliegern, Kajaker und Stand Up Paddler sind um uns herum unterwegs.

Auf unserem Weg sind wir auf See zwei Mal von der Royal Canadian Mounted Police aufgestoppt worden. Die Officer sind von ihrem Patroullienschlauchboot auf die Sutje umgestiegen, um Papiere, Schmuggel und Sicherheitsausrüstung zu überprüfen. Erstaunlich – das ist uns noch nirgendwo passiert und hier dann gleich so engmaschig.

Ein wenig kulturelle Information haben wir auf unserem Weg hierher auch mitgenommen. Drei Nächte lagen wir auf dem Bras d’Or von Anker in Eskarsoni, einem Reservat der Mi’kmaq, der hiesigen Indigenen. Die bieten einen geführten Rundgang mit Erläuterung von Werkzeugen, Waffen, Unterkünften, Musikinstrumenten, Handwerkstechniken und Lebensweise. Beeindruckend ist vor allem, wie wenig Besitz die Menschen hatten und wie leicht die Dinge dann auch noch in ihrer Ausführung sind. Sehr mobil.

Beim Rundgang hatten wir gelernt, dass Musik und Gesang sehr wichtig für die Indigenen waren und auch noch sind. Einmal im Jahr ist im Dorf des Reservats ein großes Powwow, ein Tanzwettbewerb mit Preisgeldern und Teilnehmern von weit her. Und das war zufällig am Tag nach dem Rundgang. Das wollten wir uns natürlich nicht nehmen lassen und sind zur Veranstaltung marschiert. Es stand gerade die Jugend auf dem Programm. die sich mit beeindruckender Tracht und körperlichen Einsatz teils sehr ins Zeug gelegt haben.

Auch gelernt haben wir über die jüngere Geschichte der Mi’kmaq. Bis vor wenigen Jahrzehnten war der Staat darauf bedacht, die kulturelle Identität der Indigenen auszulöschen. Nutzung von nativer Sprache, Musik, und Kleidung waren bei Strafe verboten. Kinder wurden auf sogenannte Residential Schools geschickt, um sie ausserhalb des elterlichen Einflußbereichs „kanadisch“ zu erziehen. Wegen der schlechten Zustände sind viele der Kinder nicht wieder zurückgekommen. Aber die Zeit ist vorbei. Die Regierung hat sich vor 20 Jahren offiziell entschuldigt, die Mi’kmaq dürfen ihre Kultur wieder leben – und sie haben sie auch nicht verloren. In vielen Haushalten ist Englisch nur die zweite Sprache.

In Baddeck, einem ruhigen und nur geringfügig touristischem Ort, haben wir ebenfalls etwas für die Geschichtsbildung getan und das Alexander Graham Bell Musuem besucht. Nachdem er sein Vermögen mit der Erfindung des Telefons gemacht hat, baute er eine große Villa in der Nähe von Baddeck. Hier hat er an vielen weiteren Dingen getüftelt wie Sprachübertragung per Licht, Flugzeugen und foilenden Booten mit Flugzeugantrieb. Es war sicher ein beeindruckendes Bild, wenn Anfang des 20. Jahrhunderts hier in dieser abgelegenen Gegend die tollkühnen Männer und Frauen (Bells Frau soll auch gerne gesteuert haben) über den See sausten.

Wieder einmal warten wir jetzt auf das richtige Wetterfenster, denn als nächstes wollen wir nach Neufundland. Es ist keine weite Reise, man schafft die Strecke bei brauchbarem Wind in 20 Stunden. Aber das Wetter greift hier richtig in die Tasten, neben häufig sehr böigem und schnell drehendem Wind gilt es auch Nebel und Gewitter im Blick zu haben. Also ist mal wieder Geduld angesagt.

Sutje schwimmt wieder

Seit ein paar Tagen ist Sutje wieder in ihrem Element. So viel vorweg, es war mühsam. Gerne wollte sie da anscheinend gar nicht wieder hin. Aber dazu gleich mehr.

Seit gut zwei Wochen bin ich (Jan) wieder in Kanada, während Petra das Frühjahr in Deutschland geniesst und die letzten Bestellungen von Ersatzteilen abwickelt, bevor sie Ende der Woche nachkommt.

Dafür kann sie dann hier das Frühjahr noch einmal geniessen, denn die Natur ist in Nova Scotia in ihrer Entwicklung noch deutlich zurück. Als ich Anfang Mai ankam, war noch kein Hauch Grün in der Landschaft. So langsam wird es aber …

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Winterpause

Wie im letzten Beitrag berichtet, haben wir deutlich länger in Yarmouth verbracht als geplant. Wir wollten einen sicheren Liegeplatz haben, wenn der Hurricane Erin auf See durchzieht. Und der Platz war sehr sicher, wir haben bis auf einen eindrucksvollen Himmel nichts mitbekommen.

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Warten auf den Sturm

Wir sind nun schon zehn Tage in Yarmouth an der Südwest-Küste von Nova Scotia. Es ist ein netter, recht verschlafener Ort, der ein bisschen verlassen und aus der Zeit gefallen wirkt. Die Hauptstraße bietet wenig, da bis auf ein paar Gastrobetriebe fast alles dichtgemacht hat oder gerade in Abwicklung begriffen ist. Ein paar hübsche Häuser kunden von vergangenen Zeiten, als Yarmouth noch großer Fischerei- und Industriestandort und die Main Street dicht bevölkert war. Aber es ist alles nett und gepflegt. Obwohl die Kaufkraft von den Malls in der Peripherie abgezogen wird, bemüht man sich durch kostenlosen Busservice, Parks, Galerien und einen gut besuchten samstäglichen Farmers Market um die Förderung eines innerstädtischen Lebens.

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Unsere letzten Wochen in den USA

Die letzten drei Wochen sind wir nun ganz sutje durch das Archipel von Maine geschippert. Felsküste, die hin und wieder Platz für einen kleinen Sandstrand macht, Fjorde und Buchten und zahllose Inseln und ganz viel Wald prägen die Küste von Maine. Mit kurzen Tagestörns kann man beliebig viele ruhige Ankerplätze erreichen und so ganz entspannt dahinreisen und sich durch Zeit und Raum treiben lassen. Kegelrobben sind allgegenwärtig und in windstiller Nacht hört man sie oft dem Boot ganz nahe auftauchen und mehrmals tief und kräftig einatmen. Fast überall konnten wir wandern, mal kurz und einfach, mal lang und anspruchsvoll.

Drei Inseln haben uns dabei besonders gut gefallen.

Hog Island, eine kleine Insel, die von der National Audubon Society bewirtschaftet wird. Die ganze Insel ist Naturschutzgebiet und hat nur ein einfaches Sommercamp, das vor allem von Vogel- und Naturschützern besucht wird. Die Gesellschaft hat erfolgreich Papageientaucher in Maine wiederangesiedelt und macht vom Camp aus nun Exkursionen zu den entlegenen Brutgebieten. Man hat zwei Gästemoorings, die von Bootsreisenden gegen Spende genutzt werden dürfen. Auf der Insel selbst gibt es dann außer dem Camp nur einen Wanderweg, der durch den ungenutzten ursprünglichen Wald führt.

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